„Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“


Wort zum Sonntag, 07.01.2024 (1. So. n. Epiphanias)

von Pastor Christoph Siedersleben, Ev.-luth. Kirchengemeinden Lehmke-Wieren und Nettelkamp
Christoph Siedersleben (Foto: Henrik Winkelmann)

Liebe Leserin, lieber Leser, 

als ich in den Weihnachtstagen im Gebiet von Leine und Weser unterwegs bin, habe ich den Eindruck, halb Niedersachen steht unter Wasser. Ein immenser Schaden, der da verursacht wird. Eine Bedrohung für Mensch und Tier, für einzelne Höfe und ganze Ortschaften. Eine Vielzahl von Helfer*innen ist im Einsatz, um zu retten, was zu retten ist.  

Während ich durch das Überschwemmungsgebiet fahre, höre ich im Radio die Bitte, dass die Menschen doch von Ausflügen in die Überschwemmungsgebiete absehen mögen, dass man sich von den durchweichten Deichen fernhalten solle und dass die Menschen doch bitte den Anweisungen der Helfer*innen folgen mögen.
 
Irritierende Durchsagen, wie ich finde – nicht nur jetzt beim Hochwasser. Statt zu helfen, werden die Hilfskräfte von Einzelnen bei ihrem Einsatz behindert, manchmal gar bedroht und angegriffen. Die Anzahl der Menschen, die sich so verhalten, nimmt offenbar zu. 

Für mich steht dahinter ein falsch verstandener Freiheitsbegriff. Denn die eigene Freiheit findet - nach meinem Verständnis - ihre Grenze da, wo die Freiheit anderer betroffen ist. 

Ein gutes gesellschaftlichen Miteinander kann es nur dann geben, wenn wir Menschen nicht nur auf uns selbst schauen, sondern unser Verhalten immer auch an den Bedürfnissen anderer ausrichten. 

Das kirchliche Motto für dieses Jahr, die Jahreslosung 2024, nimmt diesen Gedanken auf: „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“ (1. Korinther 16,14)

In dem Zusammenhang, aus dem dieser Satz kommt, geht es um ein gutes Miteinander in der Gemeinschaft. Um Rücksichtnahme, um Respekt, um gegenseitiges Zuhören, darum, einander ernst zu nehmen, sich genseitig zu unterstützen und in Toleranz miteinander umzugehen.

In diesen Tagen erleben wir, wie sehr unsere Gemeinschaft von dem Blick auf die Mitmenschen lebt. All die freiwilligen Helfer*innen und auch diejenigen, die berufsbedingt in den Hochwassergebieten Niedersachsens im Einsatz sind, geben ein gutes Beispiel dafür, wie gesellschaftliches Miteinander auf gute Weise gelingt. Viele von Ihnen haben in den Weihnachtstagen und zum Jahreswechsel ihre eigenen Interessen hinten angestellt und haben geholfen, wo Hilfe gebraucht wurde. Haben auf Familienleben verzichtet, auf gemütliche Stunden, auf ein paar ruhige Tage.

Aus meiner Sicht haben all diese Helfer gezeigt, was mit der Jahreslosung gemeint ist: „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“

Und so gehe ich in das neue Jahr und wünsche mir, dass diese Menschen uns Vorbilder sind. Ihr Einsatz zeigt, wie gelungenes menschliches Miteinander aussieht. 

Pastor Christoph Siedersleben, 
Ev.-luth. Kirchengemeinden Lehmke-Wieren und Nettelkamp