Die Sehnsucht im Herzen


Wort zum Sonntag, 21.01.2024 (3. So. n. Epiphanias)

von Pastor Johannes Luck, Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Bevensen-Medingen
Johannes Luck (Foto: privat)

Kannst Du Dich noch erinnern? – an funkelnde Farben und Sternenglanz,
an Schokolade in Cellophanpapier, und an das, was Dich getragen hat
durch dunkelgraue Tage?

An Punsch, der nach der Kindheit schmeckt, an kerzenhelle Nächte,
an deine Krönung als Melchior, in jener Nacht von Betlehem.

An Tannengrün und Weihnachtsschmuck und ganz besondere Feste.
An Stille Nacht und Seligkeit, die Dein Herz kurz ergriff.
An glitzerndes Geschenkpapier, an Spiele auf dem Tisch.

An Zeit, die sich die Menschen nahmen, zusammen sich zu freuen,
dem Frieden einen Rahmen gaben, in dieser Welt zu sein.

Last Christmas, da schlug noch mein Herz, doch jetzt spüre ich den Januarschmerz! Wo ist es hin, das Gefühl vergangener Tage? Dieses Gefühl, das die Macht hatte, mich und meine Tage zu verwandeln? Wo ist es hin, das Gefühl, das ich mitnehmen wollte ins neue Jahr. Erfüllt leben wollte ich, das „Mark des Lebens in mich aufsaugen“, wie der amerikanische Dichter Henry David Thoreau es beschrieben hätte. Dem Raum geben, worauf es wirklich im Leben ankommt.

Stattdessen: Alltag wie im November. Das Gefühl erloschen … Oder doch nicht …?

Doch, da ist was … da, ganz hinten in meinem Herzen. Ich kann es jetzt spüren. Es ist nur schwer zu entdecken, aber es ist da, ich bin ganz sicher! Es hat sich in meinem Herzen bequem gemacht und scheint nicht mehr verschwinden zu wollen. Und es glänzt! Winzig, doch glänzt es kerzenhell, wie eine jener Dezembernächte, die ich gerade so vermisse. Aber hier glänzt es, mitten im Januar, hier ganz tief drin in meinem Herzen. Es ist die Sehnsucht, die gegen das Januargrau anleuchtet, das sich an manchen Tagen auf mich legen will.

„Es geht wieder weiter wie bisher“, murmelt der Januar mir zu. „Das glaube ich nicht“, funkelt die Sehnsucht zurück. - „Es ist egal was du tust, es wird sowieso alles wie immer“, murmelt das Januargrau. „Das glaube ich nicht“, funkelt die Sehnsucht zurück.

Und dann schließe ich meine Augen und sehe es leuchten, immer heller, immer heller – und kerzenhell wird der Januar. Und wieder wird das Kind aus Betlehem in meinem Herzen geboren. Weihnachten geht nicht einfach vorbei. Es lebt weiter! In meiner Sehnsucht nach dem Weihnachtsfrieden, der länger hält, als ein paar Tage! Es lebt weiter in meinem Herzen! Von dort kann es zutage treten und den Alltag beleben – den Januar und alle kommenden Monate mit Sinn verzaubern! Ich muss diese Sehnsucht nur entdecken, in mich hineinhören und ihr Raum verschaffen: Dann kann sogar der graue Januar funkeln!

Pastor Johannes Luck
Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Bevensen-Medingen


Zusammen mit seiner Frau Carolin Luck, ebenfalls Pastorin in Bad Bevensen, betreibt Pastor Johannes Luck den Kanal @himmlisch.hygge auf Instagram und Facebook, auf dem Interessierte mehrmals in der Woche in Form von Impulsen, Gebeten und mit persönlichen Ritualen Inspirationen für eine christliche Spiritualität im Alltag bekommen.