Mit dem Herzen dabei


Wort zum Sonntag, 16.06.2024 (3. So. n. Trinitatis)

von Pastor Hermann-Georg Meyer, Ev.-luth. Kirchengemeinde Bevensen-Medingen
Hermann-Georg Meyer (Foto: privat)

Ein Häuschen im Grünen, möglichst mit einem schönen Garten. Für viele Menschen ein wirklicher Traum! Ich bin fest davon überzeugt, dass ein Garten für die meisten seiner Besitzer bewusst oder unbewusst mehr ist als ein Stück Erde, auf dem sie Johannisbeeren, Karotten oder Salat anbauen oder wo prächtige Rosen blühen. Garten – das ist der Versuch, sich ein Stückchen Paradies, ein Stückchen heile Welt zu schaffen. Und das am besten weit weg vom Alltagsgetöse, von Stress und Hektik und all dem, was uns gesellschaftlich momentan so herausfordert. Der eigene Garten ist so etwas wie die Ursehnsucht nach dem Garten Eden, den Gott selbst gepflanzt hatte und in dem er in der Kühle des Abends gern spazieren ging. Eden kann sowohl „Oase in der Wüste“ bedeuten als auch „Garten der Wonne“.

In jenem paradiesischen Ur-Garten lebten die Menschen in Frieden miteinander und mit den Tieren. Da genossen sie dankbar die Früchte des Gartens, das kühle, klare Wasser der vier Flüsse, die den Garten durchströmten. Sie ließen sich wärmen von den Strahlen der Sonne oder genossen den Schatten der Bäume. Sie lebten sorgenfrei und zufrieden, bis sie mehr wissen wollten als ihnen geboten war. Sie wollten endlich selbstbestimmt leben, wollten selbst entscheiden, was guttut und was schadet. Vertreibung aus dem Garten Eden, Arbeit im Schweiße des Angesichts, Krankheiten, Not und Totschlag waren die Folgen.

Daran erinnert die mühselige Arbeit im eigenen Garten. Sie kann uns wieder an Gottes Auftrag erinnern: seinen Garten – diese schöne, bedrohte Erde zu beschützen und zu bewahren. Machen wir einander Mut, unseren Teil dazu beizutragen.

„Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen,
aus meinem Herzen rinnen.“

Diese Strophe des bekannten Paul-Gerhardt-Liedes „Geh aus mein Herz ...“ kam mir dazu in den Sinn. Oft und gern gesungen bei sommerlichen Gottesdiensten im Grünen. Der Liederdichter konnte in seinen Liedern, die in schwerer Zeit entstanden sind, das Lebensgefühl der Menschen aufnehmen. Es sind Lieder, die bis heute vielen aus dem Herzen sprechen und damit Mut machen. Jeder Mensch ist ein wichtiger Teil der Schöpfung - genau wie Tiere und Pflanzen. Ohne ihn, ohne sie würde etwas fehlen.

Möge der schöne Sommer und des großen Gottes großes Tun uns ermutigen, öfter mal etwas einfach aus unserem Herzen rinnen zu lassen! Das kommt an, denn es kommt von Herzen, bestimmt!

Pastor Hermann-Georg Meyer
Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Bevensen-Medingen