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Versprochen – gebrochen?

Wort zum Sonntag, 21.03.2021 (5. So. d. Passionszeit)

„Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen!“ – Haben Sie das auch schon einmal gesagt? Als Kind war das ganz wichtig: Wenn ich dieses für dich mache, dann machst du auch jenes für mich! Versprochen! Und was man verspricht, das hält man auch!

„Was man verspricht, das hält man auch“ – das hat sich mir tief eingeprägt. Ich bin vorsichtig darin, etwas zu versprechen. Denn wenn ich etwas verspreche, dann fühle ich mich sehr daran gebunden. Aber es ist nicht immer einfach, ein Versprechen wirklich zu halten. Manchmal schaffe ich es nicht, verspreche zu viel oder vergesse, was ich einem anderen Menschen versprochen habe. Sollte man es dann nicht lieber gleich lassen? Nein. Denn ich finde es wichtig, dass wir Menschen uns Versprechen geben. Dass wir uns Zusagen geben, von denen wir wissen: Der andere und auch ich selbst, wir beide werden uns daran halten.

Die deutsche Politik und viele andere Länder der Welt haben ein wichtiges Versprechen gegeben – im Pariser Klimaschutzabkommen. Sie haben versprochen, die globale Erwärmung auf unter 2 Grad Celsius zu begrenzen, wenn möglich auf 1,5 Grad. Viele politische Entscheidungsträger sind eindeutig auf dem Weg, dieses Versprechen zu brechen. Zahlreiche nötige, aber teilweise unpopuläre Entscheidungen für den Klimaschutz (wie z. B. das schnelle Ende des Verbrennungsmotors, das Verbot von Kurzstreckenflügen, der Kohleausstieg bis 2030, der Verzicht auf weitere Flächenversiegelungen für Autobahnen und Baugebiete, ökologischere Landnutzungskonzepte, u. v. a. m.) werden auf die lange Bank geschoben.

Die jungen Menschen von Fridays4Future erinnerten - gemeinsam anderen Gruppen wie den Parents4Future – am Freitag an dieses Versprechen. Auch bei uns in Uelzen, vor dem Alten Rathaus. Ihre Botschaft war: „No more empty promisses – keine leeren Versprechen mehr!“ Sie drängen zu Recht darauf, dass die Klima-Versprechen eingehalten werden. Denn sie müssen in der Zukunft die Konsequenzen tragen, die eine unerträgliche Erderwärmung mit sich bringt. Viele heutige Entscheidungsträger werden das nicht mehr miterleben. Die jungen Menschen haben das Gefühl: Versprochen ist versprochen und wird doch gebrochen!

Auch in der Bibel lesen wir von Versprechen. Von Versprechen, die Menschen Gott geben – und von Versprechen, die Gott den Menschen macht. Ich denke an Abraham und Jakob, Gottes Bund mit Noah und der ganzen Schöpfung und natürlich an den „neuen“ Bund in Christus. Diese Geschichten erzählen davon, dass Gott Menschen auf dem Weg ihres Lebens begleitet. In Höhen und Tiefen war er an ihrer Seite und hat ihr Leben bewahrt. Gott hat ihnen den Horizont geweitet und Zukunft geschenkt. Wenn Gott ein Versprechen macht, bedeutet das unverbrüchliche Treue. Bei Gott gilt: „Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen!“

Wenn ich die menschlichen Versprechen und Gottes Versprechen gemeinsam betrachte, dann überwiegt bei mir trotz aller gebrochener menschlicher Versprechen die Hoffnung – auch beim Thema Klima. Die Hoffnung, dass die politischen Entscheidungsträger noch das Richtige tun werden, damit Gottes Schöpfung bewahrt und auch kommende Generationen auf unserer wunderschönen Erde fröhlich leben können. Ich halte es da mit dem Schreiber des Hebräerbriefes: „Wir wollen unbeirrt an der Hoffnung festhalten, zu der wir uns bekennen. Denn Gott, auf dessen Versprechen sie beruht, ist treu.“ (Hebräer 10,23).

Pastor Matthias Kuna-Hallwaß,
Pastor in den Kirchengemeinden Barum-Natendorf und Ebstorf
und Sprecher der Klima-AG des Kirchenkreises Uelzen


Anmerkung:
Am Sonntag, 21.03., um 13 Uhr sendet Radio ZuSa
zum gleichen Thema einen Rundfunkgottesdienst, den die Klima-AG des Kirchenkreises Uelzen vorbereitet hat.
 

 

Tageslosung

Donnerstag, 21. Oktober 2021
Rut sprach: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.
Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.


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