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Mütend in den Mai?

Wort zum Sonntag, 02.05.2021 (4. So. n. Ostern)

Vor kurzem habe ich ein neues Wort gelernt: „mütend“. Über die sozialen Netzwerke hat es sich rasch verbreitet. Es scheint einen Nerv zu treffen. Einerseits „pandemüde“ und andererseits verärgert, dass es nicht vorangeht – so fühlen sich offenbar gerade viele. Doch bei allem Verständnis für den Überdruss: In meinen Ohren klingt „mütend“ wolkenverhangen. Es verbreitet und vertieft die schlechte Stimmung. Und es passt einfach nicht zum Mai, der gemeinhin als Wonnemonat bezeichnet wird.

Diese Beschreibung ist schon über 1200 Jahren alt. Wobei mit dem alten Wort „wunnimanoth“ zuallererst die „wunni“, die Wiese oder Weide, gemeint war. Pralles Grün und satte Wiesen: Von Anfang an hat die Wonne also etwas mit einem Gefühl der Fülle zu tun. Heute steht das Wort für ein intensives Gefühl der (Vor-)Freude, bezeichnet aber immer auch das, was die Freude auslöst. Der erste Spargel – eine Wonne. Und mein Appetit darauf: auch eine Wonne. Die zur Wonne passenden körperlichen Reaktionen: freudiges Glucksen, seliges Lächeln, vielleicht ein Luftsprung. Wonne hat beides, etwas Handfestes und etwas Himmlisches. Kein Wunder, dass die Wonne in der Bibel als Gabe und Umfeld Gottes beschrieben wird, am allerschönsten in diesem Gebet: „Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich.“ (Psalm 16,11).

Das Wort „Wonne“ ist leider ziemlich aus der Mode gekommen. Im Alltag begegnet es höchstens noch, wenn ein gut gelauntes Kind „Wonneproppen“ genannt wird. Ich finde das ausgesprochen schade. Vielleicht ist es gerade jetzt, im Mai 2021, an der Zeit, dem Wort zu einer neuen Blüte zu verhelfen? Der Wonnemonat gibt sich doch meist große Mühe, seinem Namen gerecht zu werden: Man denke nur an Fliederbüsche und Pfingstrosen. Rhabarber, Bärlauch, die ersten Erdbeeren. An Sonne satt und ein laues Lüftchen. An das Grün der Halme und das Blau des Himmels. Wer wollte da noch mütend bleiben?

Einen wonnigen Mai wünscht Ihnen Ihre
Pastorin Dr. Julia Koll
Ev.-luth. Kirchengemeinden Altenmedingen, Bienenbüttel und Wichmannsburg

 

Tageslosung

Donnerstag, 21. Oktober 2021
Rut sprach: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.
Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.


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