• Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Startseite Wort zum Sonntag Endlich wieder singen!

Endlich wieder singen!

Wort zum Sonntag, 13.06.2021 (2. So. n. Trinitatis)

Endlich wieder Essen gehen! Endlich wieder verreisen! Seitdem die Inzidenzzahl im Landkreis Uelzen unter 35 liegt, genießen wir die ersten Lockerungen. Endlich wieder Gesichter sehen, endlich wieder gemeinsam singen! Wer in der Kirchbank Platz genommen hat, darf im Gottesdienst seine Maske abnehmen und wieder lauthals mitsingen.

Singen tut gut, ob gemeinsam im Gottesdienst oder im Chor, ob allein im Auto oder unter der Dusche. Es muss nur die richtige Musik im Radio oder im Kopf sein und schon wird das Badezimmer zur Bühne und der Duschkopf zum Mikrophon.

Es tut einfach gut, aus voller Kehle zu singen, den Atem fließen zu lassen und dem Odem, mit dem Gott mir das Leben eingehaucht hat, meine Melodie, meinen Rhythmus, meinen Klang zu geben. So wie es gerade in mir klingt: laut oder leise, in Moll oder in Dur.

Viktor Hugo hat einmal gesagt: „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann, aber worüber zu schweigen unmöglich ist.“ Mit anderen Worten: Die Musik gibt mir die Möglichkeit, das rauszulassen, was raus will, was raus muss. Mit der Musik kann ich Gefühle ausdrücken wie Wut, Trauer und Freude, für die ich keine Worte finde oder nicht mehr finde.

Für Menschen mit Demenz ist die Musik ein wichtiges Ausdrucks- und Heilmittel. Wenn sie auch vieles vergessen haben, Kinderlieder bleiben oft im Gedächtnis und lassen sie beim Singen etwas von der kindlichen Unbeschwertheit spüren. Und auch bei Trauerfeiern ist der gemeinsame Gesang eine Hilfe, auch wenn den nächsten Angehörigen oft die Stimme versagt. Aber sie hören die Klänge und Worte der anderen, die sie umgeben und das ausdrücken, „was nicht gesagt werden kann, aber worüber zu schweigen unmöglich ist“: die Trauer und die Leere, aber auch die Hoffnung, dass Gott hinter dem dunklen Horizont es wieder hell werden lässt. „Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht.“ (Ev. Gesangbuch 376: „So nimm denn meine Hände“)

Musik war von je her ein wichtiges Instrument in der Seelsorge und Therapie. Von König David wird berichtet, dass er schon als junger Knabe heilsame Harfentöne spielen konnte. Einige Lieder, die ihm zugeschrieben werden, sind heute noch Evergreens. Zum Beispiel der Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“. Wie seine Lieder damals geklungen haben, wissen wir heute leider nicht mehr. Es werden Melodien seiner Zeit gewesen sein. So wie viele andere, die nach ihm kamen, ihrerseits diese alten Worte wieder in neue Melodien nach dem gängigen Musikgeschmack gefasst haben.

Endlich wieder singen! „Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön“. Früh morgens im Gottesdienst ist dieses Lied eine Herausforderung für jede Stimme. Vom tiefen B geht es ganz nach oben zum hohen D. Das Lied umfasst hier unten die Erde und dort oben den Himmel. Der Liederdichter Paul Gerhardt weiß, wie schwer es hier unten auf der Erde zuweilen sein kann. Aber er weiß auch wie gut es tut, sich aufrichten zu lassen und beim Singen eine Verbindung zu schaffen von tief unten nach hoch oben: „Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.“

Iris Junge,
Pastorin in St. Marien Uelzen

 

 

Tageslosung

Dienstag, 15. Juni 2021
Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
Haltet fest am Gebet, wachen Sinnes und voller Dankbarkeit!


Copyright 2021 Ev.-luth. Kirchenkreis Uelzen. Alle Rechte vorbehalten.