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Ab ins Grüne!

Wort zum Sonntag, 27.06.2021 (4. So. n. Trinitatis)

„Ist Grün die Farbe der Idylle?“, fragt eine Landschaftsarchitektin in ihrem Buch. Paddelnd auf der Örtze zwischen Hermannsburg und Eversen, empfinde ich das so. Grün in allen Schattierungen, das silbrige Grün der Pappeln, das knallige der Wiesen, das dunkle an den schattigen Rändern der Örtze. Mit Händen zu greifen. Die Farbe Grün gilt in der Psychologie als natürlicher Friedensstifter, weil sie es schafft, eine Balance zwischen Herz und Kopf herzustellen, zwischen Emotionen und Rationalität. Zugleich führt sie uns abseits der beruflichen und privaten Herausforderungen zu einem Gefühl der Entspannung zurück. Also: Ab ins Grüne!

„Grün“ stammt vom althochdeutschen Wort „gruoen“ ab und bedeutet „wachsen, blühen, gedeihen“. Das pralle Leben. Im Alten Testament, beim Propheten Jeremia (17, 7+8) steht: „Gesegnet ist, wer sich auf Gott verlässt und dessen Zuversicht der Herr ist. Er ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hinstreckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün.“

Hier fühle ich mich dem Schöpfer nah, bin begeistert über die nachtblauen Libellen im Schilf, beobachte beim Dahingleiten die vier Nutrias am Ufer und bemerke erst im letzten Moment vom vielen Gucken rechts und links, unmittelbar vor meinem Gesicht tiefhängende Äste von den Weiden. Ich reisse das Paddel hoch und rutsche ein Stück tiefer im Gummiboot. Dahinter gleiten wir mit der Strömung weiter. Hinter der nächsten Biegung watscheln Graugänse mit ihren Küken über die Wiese. Ein Stück Garten Eden. Erinnere mich an die Schöpfungserzählung nach 1. Mose 2, 8. – Ups, Achtung, vor uns ragt ein dicker Ast senkrecht aus dem Wasser.

Im Prinzip ist das ein alter Hut. Schon im Mittelalter propagierte die natur- und heilkundige Universalgelehrte Hildegard von Bingen die Grünkraft, die therapeutische Wirkung entfalten kann durch Aufenthalte in der Natur. Der Wald ist Kraftort. Pilgerwege führen hindurch, die das Herz weiten für spirituelle Erfahrungen.

Corona hat manchen Kirchengemeinden einen unerwarteten Schub gebracht, weil Gottesdienste mit steigenden Temperaturen draußen gefeiert werden, mit der klingenden Bitte von Paul Gerhardt (EG 503): „Mach ich mir deinem Geiste Raum, dass ich dir wird ein guter Baum und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.“

Ist also Grün die Farbe der Idylle? Ja, ich habe ein Stück heile Welt erlebt auf meiner Paddeltour über die Örtze. Ein Teil der Realität. Der andere ist abends, zuhause, wieder ganz präsent mit Trauerfall, Klimawandel, Delta-Variante und neuen CO2-Verordnungen, die vielleicht zu spät greifen. Für heute auf der Paddeltour war es schön so – in Smaragd- und Farngrün, in Gras- und Zitronengrün zu schwelgen und wertzuschätzen, was der Schöpfer für uns bereithält.

Pastorin Utta Dittmar
Ev.-luth. Kirchengemeinde Holdenstedt

 

Tageslosung

Dienstag, 21. September 2021
Täglich rühmen wir uns Gottes und preisen deinen Namen ewiglich.
Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass.


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