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Brot und Rosen

Wort zum Sonntag, 18.07.2021 (7. So. n. Trinitatis)

Der Dichter Rainer Maria Rilke ging während seines Parisaufenthaltes mittags immer in Begleitung einer jungen Französin an einer alten Bettlerin vorbei. Zur Verwunderung seiner Begleiterin, die immer eine Münze bereit hielt, gab er ihr nichts. Als sie ihn darauf ansprach, sagte er: „Man müsste ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand.“ – Einige Tage später erschien Rilke mit einer wundervollen Rose in der Hand. Er legte sie in die Hand der Bettlerin. Und da passierte etwas Erstaunliches: Die Frau stand auf, griff nach seiner Hand, küsste sie und ging mit der Rose davon. Eine Woche lang blieb sie weg. Dann saß sie wieder an ihrem Platz. – „Wovon mag sie die ganze Woche gelebt haben?“ - Rilke antwortete: „Von der Rose!“

Diese Rose steht für mich für die Achtung und Wertschätzung, auf die jeder Mensch angewiesen ist. Wir Menschen brauchen nicht nur Brot, wir brauchen auch Rosen. Geachtet zu werden, das ist kein überflüssiger Luxus. Es ist lebensnotwendig und heilsam.
Jesus hat einmal gesagt: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.“ (Matthäus 4,4). – Jeder Mensch braucht Nahrung, Kleidung, ein Dach über den Kopf, Gesundheitsfürsorge und medizinische Versorgung. Für Jesus ist all das nicht zweitrangig. Aber er zeigt auch: Der Mensch braucht mehr zum Leben. Das Wort Gottes, das ist solch eine Rose. Etwas, was einen tief innen berührt, stärkt und aufrichtet. Es ist die Zusage, dass ich – wie jeder Mensch – unendlich wertvoll und liebenswert bin, egal wie es einem gerade geht.

Dieses Versprechen zieht Kreise, wo Menschen – wie Rilke – bedürftigen Menschen zeigen: Ich sehe nicht nur deine Defizite oder deine Armut, deine Krankheit oder deine Probleme oder deinen sonstigen Mangel. Ich speise dich nicht ab mit Almosen, Rezepten oder guten Ratschlägen, sondern sehe dich an als ganzen Menschen – mit Leib und Seele, angewiesen nicht nur auf äußerliche Hilfe, sondern auch auf Rosen der Achtung und Wertschätzung. Das verändert und bewegt oft viel mehr als wir denken.

Pastorin Birgit Hagen,
Klinikseelsorge im HGZ Bad Bevensen


 

 

Tageslosung

Donnerstag, 05. August 2021
Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen?, spricht der HERR.
Paulus schreibt: Mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.


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