„Stopp, ihr dürft hier nicht rein!“

04. Januar 2026

Wort zum Sonntag, 04.01.2026 (2. So. n. Weihnachten)

Ann-Kathrin Averbeck (Foto: privat)

Die zweijährige Pia und ich sitzen vor der Weihnachtskrippe. Vor uns stehen die Figuren von Maria und Josef mit dem Jesusbaby und die drei Weisen aus fernen Ländern. Wir haben begonnen, mit den Figuren die Geschichte von Weihnachten nachzuspielen. Pia will Maria sein. Sie und Josef stehen im Stall und passen auf das neugeborene Baby auf. Nun bin ich dran. Ich komme mit den drei Figuren der Weisen. Wir folgen einem Stern und wollen das Baby besuchen. Als wir näher kommen, baut sich Maria entschlossen vor dem Stall auf: „Stopp, ihr dürft hier nicht rein! Das ist mein Baby!“

Oh, damit habe ich nicht gerechnet. Sonst geht die Geschichte immer anders weiter, aber das weiß Pia mit ihren zwei Jahren ja noch nicht. Und irgendwie hat sie Recht. Eine Mutter muss ihr Kind beschützen und Fremde dürfen nicht einfach so reingelassen werden.

Etwas ratlos stehen wir da, die drei Weisen und ich. Sie sind weit gereist, nur um dieses Kind zu sehen. Und jetzt das. Dann fällt uns ein, dass die Weisen ja Geschenke mitgebracht haben. Schließlich können sie Marias Herz erweichen und sie dürfen eintreten. Drinnen erzählen sie von dem Stern, der ihnen den Weg gezeigt hat. Gemeinsam staunen wir, was für ein besonderes Kind da vor uns liegt.

Ich kann Pia verstehen, dass sie zuerst einmal skeptisch war. Sie wollte ihr Kind beschützen und die Tür nicht öffnen. Aber ich sehe auch, wie reich Maria beschenkt wurde, nachdem sie die Tür geöffnet hat. Und ich meine nicht nur die Geschenke, die die Fremden in ihren Händen tragen. Gerade ihre Erzählung, dass sie von einem Stern hergeführt wurden, stellt das Kind in ein neues, in ein besonderes Licht. Welches Kind wird schon von einem Stern angekündigt.

Pias Augen beginnen zu leuchten und mein Herz wird warm.

Möge das Kind in der Krippe auch Ihre Augen zum Leuchten bringen, ich wünsche Ihnen Gottes Segen für das neue Jahr 2026.

Liebe Grüße,
Ihre Pastorin Ann-Kathrin Averbeck
Ev.-luth. Kirchengemeinden Gerdau und Eimke

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