Zuversicht - oder: Auf (Zuver-)Sicht


Wort zum Sonntag, 18.01.2026 (2. So. n. Epiphanias)

von Pastor Lars Neumann, JVA-Seelsorger in Uelzen und Celle
Lars Neumann (Foto: privat)

Inzwischen ist das „neue Jahr“ ja schon gar nicht mehr so neu. Zweieinhalb Wochen liegen bereits hinter uns, am Montag werden wir die 5-%-Hürde des Jahres bereits hinter uns gelassen haben.

Wahrscheinlich gab es in diesem Jahr bereits die eine oder andere - hoffentlich kleine - Enttäuschung für Sie. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie ebenso bereits den einen oder anderen Grund hatten, sich zu freuen.

Bei beiden ist unsere Blickrichtung wichtig. Sie kennen das: Die Freude ist einmal kurz aufgeflammt, dann aber schnell wieder vergessen. Wie viel hilfreicher wäre es, sich an die vielen großen und kleinen Freuden zu erinnern? Schreiben Sie die doch mal auf und schauen, was da im Laufe der Zeit alles an Gutem zusammenkommt.

Und wenn die Enttäuschung einen kleinen Haufen gedanklichen Müll in Ihnen hinterlassen hat, ist das auch nicht hilfreich. Denn diese kleinen Haufen haben die unerfreuliche Tendenz, sich mit anderen kleinen Haufen zu verbinden und sich langsam, aber sicher zu einem ausgewachsenen Berg auszuwachsen. Der steht dann der freien Sicht auf die Zukunft im Wege.

Freie Sicht ist nötig. Für das Leben mindestens so viel wie beim Autofahren. Wer da in der letzten Zeit seine Scheiben nicht von Eis und Schnee befreit hat, ist womöglich nicht weit gekommen. - Wie wir beim Autofahren einen freien Blick auf die Straße und die Wege rundum uns brauchen, so ist das auch sonst im Leben. Wir brauchen Zuversicht, um diesen freien Blick zu haben.

Wenn die fehlt, ist der Blick auf das Schöne nur kurz und kann uns nicht weiter erfreuen. Und der Blick auf das Schlechte ist lang anhaltend und zieht die gesamte Zukunft ins Negative.

Mit der Losung für Sonnabend aus Psalm 91,9 haben wir die Möglichkeit, unsere Sicht auf das Schöne und das Schwierige zu korrigieren: „Der Herr ist unsere Zuversicht.“

Es ist gut und hilfreich, wenn wir jenseits der Berge der Enttäuschungen und der ausgebrannten Freudenfeuer schauen können und sehen, dass da Gutes auf uns wartet. Dass es nicht von uns abhängt, sondern dass es Gottes gute Gabe ist. Dass es von dem kommt, der seine Geschöpfe liebt.

Zuversicht räumt auf. Sie gibt uns die Möglichkeit, uns an all die guten Dinge zu erinnern, die da waren. Ebenso lässt sie die Berge wieder zu kleinen Häufchen werden und vielleicht sogar wieder ganz verschwinden. Und das eine oder andere ausgebrannte Feuer mag sich wieder entzünden.

Lassen Sie sich Zuversicht schenken. Ich wünsche Ihnen, dass das immer besser klappt und Sie auf (Zuver-)Sicht durch Freude wie Herausforderung kommen.

Pastor Lars Neumann,
Seelsorger in den Justizvollzugsanstalten Uelzen und Celle

Angedacht - Das „Wort zum Sonntag“ zum Anhören