Das Licht der Sonne

01. März 2026

Pastorin Rika Hartmann, Ev.-luth. Kirchengemeinden Suderburg und Holdenstedt

Wort zum Sonntag, 01.03.2026 (2. So. in der Passionszeit)

Rika Hartmann (Foto: W. Vielhauer)

Morgens ist es noch kalt. Und doch bleibt man einen Moment stehen, hält das Gesicht in die Sonne. Ein bisschen Wärme, ein bisschen Licht – manchmal reicht das schon.

Viele Wochen hatte uns der Winter fest im Griff. Dunkelheit, frostige Tage, grauer Himmel. Nun liegt mit dem März etwas Neues in der Luft: mehr Vogelstimmen am Morgen, die ersten Schneeglöckchen und Krokusse am Wegesrand. Die Sonne zeigt sich wieder häufiger.

Diese ersten Strahlen tun besonders gut. Man möchte sie einsaugen, Energie sammeln, den Winter aus den Gliedern vertreiben. Licht, so selbstverständlich und zugleich lebenswichtig, sowohl für unseren Körper als auch für unsere Seele. Es wärmt nicht nur die Haut, sondern auch das Herz.

Mitten in diese Zeit fällt die Fastenzeit, die Vorbereitungszeit auf Ostern. Während die Natur sich auf neues Leben vorbereitet, dürfen auch wir uns innerlich neu ausrichten – auf die Hoffnung, dass Aufbruch möglich ist. Dass neues Leben wachsen kann, selbst dort, wo wir nur Stillstand oder inneres Grau wahrnehmen.

In diesem Jahr steht die Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ unter dem Leitwort „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“. Fastenzeit meint nicht nur Verzicht. Sie ist ein Innehalten, ein bewusstes Hinschauen – auch auf uns selbst. Wo bin ich hart geworden? Mit anderen oder mit mir selbst? Wo urteile ich vorschnell, wo fehlt mir Geduld?

Im 31. Psalm heißt es:
„Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst und kennst die Not meiner Seele und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ (Psalm 31,8-9)

Diese Worte begleiten mich in der zweiten Woche der Fastenzeit. Sie erzählen von einem Gott, der mich sieht. Von einem Gott, der nicht einengt, sondern weiten Raum schafft. Der den Himmel über mir öffnet und Raum zum Atmen schenkt, in dem wir wachsen und milder werden können.

Oft sind wir streng mit uns selbst. Die Fastenzeit lädt ein, es anders zu versuchen: Mit mehr Mitgefühl. Mit Geduld. Mit einem freundlicheren Blick auf die eigenen Grenzen und auf die der anderen. Dieses Mitgefühl brauchen wir, für uns selbst und füreinander.

Vielleicht ist es dann wie mit den ersten Sonnenstrahlen im März: Sie verändern noch nicht alles. Aber sie sind ein Anfang. Und manchmal reicht ein bisschen Licht, um zu spüren: Auch der kälteste Winter geht einmal vorbei.

Pastorin Rika Hartmann,
Kirche im Gerdau- und Hardautal,
Ev.-luth. Kirchengemeinden Suderburg und Holdenstedt

Angedacht - Das „Wort zum Sonntag“ zum Anhören