Das Lächeln des Morgensterns

01. Februar 2026

Wort zum Sonntag, 01.02.2026 (letzter So. n. Epiphanias)

Martin Hinrichs (Foto: privat)

Mit Sonntag, 1. Februar, geht die Weihnachtszeit zu Ende. Es ist der letzte Sonntag nach Epiphanias. Da mögen sich manche die Augen reiben: Weihnachten? Der Baum ist lange abtransportiert. Die Vorboten der Osterdeko stehen in den Geschäften. Außerdem: Wie lange sind die Festtage her – was ist seitdem an Verrücktem losgewesen in der Welt? Mehr als gewöhnlich in einen Monat passt ... Trump in Venezuela, Tausende Tote im Iran, Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin, Trump droht Grönland einzunehmen und beschimpft die Europäer in Davos. Er gründet einen „Friedensrat“ mit zwielichtigen Potentaten. In der Ukraine verschlimmert sich die Lage zusehends. Das Jahr hat voll aufgedreht mit beunruhigenden Nachrichten in dunklen Tönen.

Darum ist es gut, sich an den Vers aus Jesaja 60 zu erinnern, der oft am Anfang der Adventszeit zu hören ist: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.“ Am Ende der weihnachtlichen Zeit grüßt Jesaja mit dem Wochenspruch aus Kapitel 60, Vers 2: „Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit scheint über dir.“ Das lässt noch einmal das Grundthema der letzten Sonntage aufscheinen: „Wie schön leuchtet der Morgenstern voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn, die süße Wurzel Jesse…“  Die weihnachtliche Hoffnungsbotschaft trägt weiter als die kurzen Tage mit Lichterketten, Punsch und Lebkuchen. Gottes Herrlichkeit scheint über dir in den trüben Winterwochen ohne Festtagsbeleuchtung. Es ist eine verletzliche Herrlichkeit. Sie lächelt uns in der Krippe von Bethlehem an – armselig, irgendwie am falschen Ort, aber hell und verheißungsvoll, was daraus wachsen wird. Das ist ein Bild, das sich einprägen kann für die kommende Zeit, wenn sich das Jahr weiter entwickelt mit allem, was da werden mag. Dieses Leuchten scheint immer, neben all den dunklen Tönen und trüben Aussichten. „Schau dich um und sieh, was um dich herum geschieht.“ (Jesaja 60, 4)

Es gibt so viele Erlebnisse, in denen freundliche Gesten und Menschlichkeit möglich sind. Das ist der Kern der weihnachtlichen Erfahrung: Gott zeigt sich und lächelt uns an im verletzlichen und wehrlosen Kind in der Krippe. Kein Mensch kann ohne Licht und ohne Hoffnung leben. Sich für jeden Tag für einen Menschen zu überlegen, wie man ihn mit einem Lächeln beschenken kann – das kann weihnachtlichen Glanz noch lange in die Tage bringen. 

Pastor Martin Hinrichs,
Ev.-ref. Kirchengemeinde Lüneburg-Uelzen

Angedacht - Das „Wort zum Sonntag“ zum Anhören