Vom Glitzer zur Gewissheit
Gerade haben wir noch ausgelassen gefeiert. In manchen Jackentaschen findet sich noch Konfetti, ein bisschen Glitzer im Auto. Vielleicht hängt das Kostüm noch über dem Stuhl. Eben war alles laut, bunt und ein bisschen drüber. Man durfte aus der Rolle fallen: Als Schmetterling verkleidet flatterte ich über die Tanzfläche. Für ein paar Stunden den Alltag vergessen. Nichts planen, nichts schaffen, nichts leisten – nur tanzen. Ein Aufatmen in allem, was sonst an mir zerrt.
Fasching steht für Fülle: Kamelle fliegen, Menschen lachen, Farben leuchten bunt und grell. Wir haben erlebt, wie leicht das Leben sich anfühlen kann.
Doch was trägt, wenn das Konfetti weggefegt ist und der Lärm leiser wird? Es ist erstaunlich, wie schnell das geht: Eben noch Ausnahmezustand, dann wieder Alltag. Eben noch ausgelassen, dann wieder nachdenklich. Und vielleicht gehört beides enger zusammen, als wir denken. Denn wo der Lärm endet, beginnt das Hinhören.
In diesen Tagen hat die Passionszeit begonnen. Sieben Wochen vor Ostern. Eine Zeit, den Blick zu wenden: von außen nach innen. Wir haben gespürt, wie schön Überfluss sein kann. Jetzt üben wir uns darin, nicht alles sofort zu brauchen – um neu zu entdecken, was uns wirklich trägt. Den letzten Bonbon noch in der Tasche, sind wir eingeladen tiefer zu graben.
Fasten bedeutet nicht Verzicht auf Freude, sondern ist eine Einladung. Es heißt: Raum schaffen. Raum für Klarheit. Raum für Ehrlichkeit. Raum für Gott. Es ist eine Bewegung dieser Tage von der Leichtigkeit zur Ernsthaftigkeit.
Konfetti steht für alles, was leicht ist: Freude. Ausgelassenheit. Gemeinschaft. Die Fähigkeit, uns selbst nicht zu wichtig zu nehmen. - Das Kreuz steht für das, was nicht wegzutanzen ist: Schmerz. Schuld. Begrenztheit. Verlust. Die Erfahrungen, die uns ernst machen.
Und zwischen Konfetti und Kreuz bewegt sich unser Leben. Nicht entweder leicht oder schwer. Nicht entweder bunt oder ernst. Sondern beides. Und genau dort – im Dazwischen – wartet Gott. Ihm müssen wir nichts beweisen. Wir dürfen einfach kommen. Mit dem, was war. Mit dem, was ist. Wenn der Lärm leiser wird, wird seine Stimme hörbar. Keine laute, keine drängende – eine leise Stimme, die sagt: Du bist mein. Vielleicht bleibt am Ende kein Glitzer – aber eine Gewissheit. Und das genügt.
Pastorin Susanne Schulz
Ev.-luth. Kirchengenmeinde Nettelkamp