Ich war unterwegs von Hermannsburg in Südafrika - dem Ort meiner Kindheit und Jugend - nach Bremen. In Amsterdam angekommen, musste ich umsteigen - in eine kleine Propellermaschine.
Mein Herz war schwer und die Gedanken kreisten um das, was mich wohl erwarten würde. Ich hatte meine südafrikanische Heimat verlassen, weil ich das Apartheidsregime nicht mit der Waffe verteidigen wollte. Als südafrikanischer Staatsbürger hätte ich das sonst tun müssen. Deshalb war ich unterwegs in eine unbekannte Zukunft. Mittlerweile war ich auf dem letzten Teilstück meiner Reise. In Bremen würde mich meine mir fast gänzlich unbekannte Verwandtschaft abholen.
Der kurze Flug ging rasch vorbei. Schon hieß es: „Bitte anschnallen, das Rauchen einstellen, wir werden demnächst in Bremen landen.“ In dichtem Nebel ging die Maschine runter. Und wurde dann plötzlich wieder hochgezogen. Zu dichter Nebel ... Der Pilot beruhigte uns, die wenigen Fluggäste, und machte nach etlichen Minuten einen neuen Versuch zu landen. Doch wieder war nichts zu sehen. Wieder wurde das Flugzeug hochgezogen. Für uns, die Passagiere gab’s ein Getränk. Warten auf klare Sicht. Beim dritten Versuch gelang dann glücklicherweise die Landung. Sonst hätten wir andernorts landen müssen. So aber war ich in Deutschland, in Bremen, in meinem neuen Leben angekommen.
Mich hat diese Situation immer mal wieder beschäftigt. Der Nebel über Bremen erschien und erscheint mir wie ein treffendes Bild für meine damalige Lebenssituation. Ich wusste nicht, was auf mich zukommen würde. In einem neuen Lebensabschnitt anzukommen dauert Zeit – gelingt oft nicht auf Anhieb. Ich schaute damals gleichsam in den Nebel der Zukunft. Und hatte doch viele Wünsche und Träume in meinem Herzen.
Ähnlich ist es auch am Anfang eines neuen Jahres. Da schauen wir voraus – gleichsam in den Nebel der Zukunft. Und gehen doch in das, was vor uns liegt, mit Wünschen, Hoffnungen und Träumen im Herzen.
„Ich habe dir gesagt, dass du stark und mutig sein sollst! Fürchte dich nicht und schrecke vor nichts zurück! Denn der Herr, dein Gott, ist mit dir bei allem, was du unternimmst.“ (Josua 1, 9)
Mit dieser starken Zusage Gottes, mögen wir zuversichtlich und hoffnungsvoll ins neue Jahr aufbrechen. Mir hat dieser Bibelvers an Schnittpunkten meines Lebens jedenfalls immer wieder gut getan! Auch damals, als ich in ein neues Leben aufgebrochen bin.
Pastor Christoph Siedersleben,
Ev.-luth. Kirchengemeinden Lehmke-Wieren und Nettelkamp