Kirchenkreis Uelzen unterstützt im „Brot-für-die-Welt“-Aktionszeitraum 2025/26 ein Projekt in Uganda
Mehrere Stunden am Tag mit Wasserholen verbringen? Diese Zeiten sind für viele Frauen im Südwesten Ugandas vorbei. Sie haben jetzt einen Regenwassertank vor der Haustür. Das hat ihr Leben verändert – und auch das ihrer Familien.
Nach dem Frühstück räumt Joy Kamusiime die Becher weg, in denen sie ihrer Familie gesüßten Tee und Hirsebrei serviert hat. Dann macht sie sich an die Hausarbeit: Geschirr spülen, den Hof fegen, Wäsche waschen. Wie jeden Tag steht eine lange Reihe von Aufgaben an: Nach dem Saubermachen wird sich die 38-Jährige um ihr Gemüsebeet und die Hühner kümmern, in ihrem kleinen Laden bedienen, auf ihrer Bananenplantage arbeiten – und natürlich Mittagessen und Abendbrot kochen. Die viele Arbeit mache ihr nichts aus, sagt die Mutter von vier Kindern und lächelt: „Ich fühle mich ausgeruht und habe viel Energie.“
Das war nicht immer so. Bis 2020 musste Joy Kamusiime jeden Morgen um vier Uhr aufstehen, um Wasser zu holen. Wenn sie aufbrach, war es noch dunkel, was den beschwerlichen Weg zur Quelle nicht einfacher machte. Die zwei Kilometer lange Strecke führte über einen schmalen Pfad zwischen Bananenstauden und Kaffeebäumen einen steilen Berghang hinab, bei Feuchtigkeit war der Boden auch noch glitschig.
Und dann das Ganze zurück, mit einem 25-Liter-Kanister auf dem Kopf. Weil das Wasser nur langsam aus der Quelle läuft und meist schon viele Frauen in einer langen Schlange warteten, brauchte sie etwa drei Stunden, bis sie wieder zu Hause war. Und das Ganze am Abend noch einmal. „Ich war oft so kaputt, dass ich viel weniger geschafft habe als heute“, sagt Joy Kamusiime. Um sich den weiten Weg zu sparen, ging sie manchmal auch zu einer Wasserstelle in der Nähe ihres Dorfes Kikunda. Doch dort ist das Wasser nicht so sauber.
Ein Regenwassertank schützt die Gesundheit
Ein Tank für Regenwasser, der seit 2020 auf ihrem Grundstück steht, hat ihr Leben verändert: „Ich spare mir die langen Wege und damit viel Zeit“, erklärt die Bäuerin. Ihr jüngster Sohn Levison, der erst drei Monate alt ist, hört ihr mit großen Augen zu. Den Regenwassertank verdankt die Familie der ugandischen Hilfsorganisation ACORD („Agency for Cooperation and Research in Development“), einer Partnerorganisation von Brot für die Welt. „Die Familien bekommen die Regenwassertanks nicht einfach geschenkt“, stellt Projektmitarbeiterin Olivia Nakaweesa klar.
Stattdessen ermutigen sie und ihre Kolleginnen und Kollegen die Frauen in den Dörfern im Südwesten Ugandas, sich zu Gruppen zusammenzuschließen, gemeinsam zu sparen und dann jeweils einem Mitglied der Gruppe die Summe für einen Tank zur Verfügung zu stellen. So geht es immer weiter, bis alle an der Reihe waren. Von dem Ersparten kaufen die Menschen Pfosten, Sand, Zement und Essen für die Arbeiter. ACORD zahlt den Lohn der Maurer, das Material für die Regenrinnen und achtet darauf, dass die Arbeiten korrekt ausgeführt werden.
Wertvolle Tipps für die Feldarbeit
Weil sie gerade Schulferien haben, sind neben Immaculate auch der 10-jährige Davis und die dreijährige Sheeran, die bereits in die Vorschule geht, zu Hause geblieben. Sie helfen ihrer Mutter bei der Arbeit oder tragen den kleinen Levison herum, damit die anderen die Hände frei haben. Während ihre Tochter Immaculate sich an das Waschen der Wäsche macht, beginnt Joy Kamusiime mit dem Gießen des Gemüsebeetes. Sie hat ihre Beete säuberlich eingezäunt, die Erde außerdem mit Stroh bedeckt – so bleibt die Feuchtigkeit länger in der Erde. Auch diesen Tipp hat sie von ACORD bekommen, zusammen mit anderen Vorschlägen dazu, wie sie ihre Garten- und Feldarbeit an den Klimawandel anpassen kann. Joy Kamusiime scheint alles aufzusaugen und umzusetzen, was sie an Anregungen bekommt. So hat sie ihre Rote Beete, den Kohl, Spinat, Karotten und Zwiebeln zwischen die Bananen, den Mais und Zuckerrohr gepflanzt, damit die hohen Pflanzen den niedrigen Schatten spenden. Und weil ihr Grundstück klein ist, zieht sie zusätzlich Gemüse in Säcken.
Keine Mahlzeit ohne Gemüse
„Früher konnten wir uns fast nie Gemüse leisten“, erzählt sie, während sie ihre Gießkanne an der Zisterne wieder auffüllt. „Wir haben nur Kochbananen und Bohnen gegessen.“ Jetzt gibt es keine Mahlzeit ohne Gemüse, und den Überschuss verkauft sie in dem kleinen Laden, der in die Vorderseite des Hauses integriert ist. Das Startkapital dafür verdankt Joy Kamusiime indirekt ebenfalls dem Wassertank: Was sie früher für Medikamente gegen Magen-Darmerkrankungen ausgeben musste, kann sie nun sparen. Sie kauft davon auf dem Markt in der nächsten Stadt, was ihre Nachbarinnen und Nachbarn täglich brauchen: Taschenlampenbatterien und Glühbirnen zum Beispiel, Hirsemehl, Frischhaltefolie, Zucker und Salz. Der Verkauf bringt ihr einen weiteren Zuverdienst.
Joy Kamusiime freut sich über jeden einzelnen Schilling, denn sie will auf jeden Fall genug Geld haben, um ihren Kindern eine gute Bildung finanzieren zu können. Sie selbst musste nach der Grundschule abgehen, weil ihre Eltern sich mehr nicht leisten konnten. Ihren Kindern möchte sie bessere Chancen eröffnen. Zum Glück muss sie nicht allein für die Ausbildung aufkommen: Ihr Mann John Kamugisha ist Maurer, die Ausgaben für die Familie schultern beide gemeinsam.
Nach dem Gießen hackt Joy Kamusiime etwas Feuerholz, im Hof liegt ein großer Ast, den sie zerkleinert. Viel braucht sie nicht mehr, seit sie von ACORD einen energiesparenden Lehmherd bekommen hat. Der Herd enthält zwei Kochstellen: Vor der ersten ist ein Loch, in die das Brennholz kommt. Wichtig ist der Abzug an der gegenüberliegenden Seite. Wenn der Ofen gut zieht, verteilt sich die Hitze unter beiden Kochstellen, obwohl nur ein Feuer brennt. Joy Kamusiime trägt drei lange Äste in ihre Küche. „Früher brauchte ich meist zwei Bündel Holz am Tag“, erzählt sie, „jetzt werden die drei Äste, die ich eben geschnitten habe, auch noch reichen, um das Abendessen zu kochen.“ Das erleichtert ihr das Leben, spart Zeit und ist ein kleiner Beitrag dazu, den Klimawandel nicht buchstäblich noch weiter anzufeuern.
Eine gute Zukunft für die Kinder
Immaculate und Davis nutzen die Zeit bis zum Mittagessen, um für die Schule zu lernen. Beide haben schon ein klares Ziel vor Augen: „Ich möchte Lehrerin werden“, sagt Immaculate, „damit ich anderen etwas beibringen kann.“
„Und ich will Arzt werden“, ergänzt ihr Bruder Davis. Joy Kamusiime und ihr Mann wollen ihren Kindern den Weg dorthin so gut es geht ebnen. „Wenn ich weiter hart arbeite, werde ich Schritt für Schritt vorankommen“, sagt die vierfache Mutter. „Ich glaube, dass eine gute Zukunft vor uns liegt.“
Text: Bettina Rühl, Fotos: Siegfried Modola (BfdW)
Spenden
Am 1. Advent beginnt traditionell der neue Aktionszeitraum der evangelischen Hilfsorganisation „Brot für die Welt“. Mit Ihrer Spende können Sie das vom Ev.-luth. Kirchenkreis Uelzen geförderte Brot-für-die-Welt-Projekt 2025/26 („Uganda ‒Sauberes Wasser vor der Haustür“) unterstützen. Nutzen Sie dazu bitte das Spenden-Konto von „Brot für die Welt“ (IBAN: DE10 1006 1006 0500 5005 00).