Tattoos haben eine Bedeutung. Zumindest bei den Seefahrenden alter Zeiten. Während die Schwalbe davon erzählt, dass der Arm, auf dem sie gestochen ist, bereits 5.000 Seemeilen hinter sich gebracht hat, deutet eine Schildkröte die Überquerung des Äquators an und ein Drache einen Stopp in China. Auf einen Blick ist so zu erkennen, was für ein Mensch vor einem steht.
Jetzt, im Sommer, an den Stränden, sieht man wieder jede Menge Tattoos – solche, die einfach den Körper schmücken, und solche, die eine tiefere Bedeutung tragen. Nur wenige Christ*innen tragen ihren Glauben auf der Haut. Und doch ist es eine alte Frage: Woran erkennt man eigentlich, dass der christliche Glaube eine Bedeutung für mich hat?
Die Seefahrt kennt da ein altes Sprichwort: Auf See lernt man das Beten. Bedrohliche Sturmfluten und Gewitter – in solchen Situationen ist es gut zu wissen, woran man ist und worauf man setzen kann: eine Liebe an Land, zu der man zurückkehren möchte, das Vertrauen darauf, dass G*tt einen beschützt, und die Hoffnung, dass die Not ein schnelles Ende findet. Was bleibt einem auch anderes übrig?
Kurzum: Anker, Kreuz und Herz. Auch diese drei findet man als Tattoo und heutzutage auf so mancher Bierflasche wieder. Symbolisch bringen sie auf den Punkt, was schon der Apostel Paulus erkannt hat: „Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung, Liebe – diese drei.“ (1. Korinther 13,13) - und das gilt nicht nur auf hoher See.
An diesem Wochenende feiern wir den 6. Sonntag nach Trinitatis, einen Sonntag, der die Taufe in den Mittelpunkt stellt. In der Taufe bekennt sich G*tt klar und deutlich zu uns. Noch bevor wir irgendetwas vorweisen können, sagt er zu: Ich bin da. Ich trage dich durch alle Lebenslagen. Das ist das Zeichen, das uns eingeschrieben ist, tiefer als jede Tätowierung und unauslöschlich.
Weil das so ist, erkennt man Christ*innen nicht am Bild auf der Haut, sondern daran, dass dieses Versprechen in ihnen Spuren hinterlässt. Sie sind, wie es im Jakobusbrief heißt, Täter*innen des Wortes, also Menschen gelebten Glaubens, tätiger Liebe und nicht zuletzt der Hoffnung, an etwas, das wir gerade in diesen Zeiten immer wieder gebrauchen und hochhalten können.
Glaube, Liebe, Hoffnung – letztlich sind es diese drei, die uns durchs Leben und darüber hinaustragen. Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sommer, in dem Sie spüren: Sie sind verankert, gehalten und geliebt.
Ihr Pastor Manuel Ziggel
Johannis-und-Georgs-Kirchengemeinde Uelzen