Liebt eure Feinde!

02. April 2026

Pastor Tobias Heyden, Drei-Ritter-Kirchengemeinden Altenmedingen, Bienenbüttel und Wichmannsburg

Wort zum Gründonnerstag, 02.04.2026

Pastor Tobias Heyden (Foto: F. Krems)

Ein durchgeknallter Pinguin namens Skipper sagte einmal in einer Kinderserie folgenden Satz: „Freunde sind Feinde, die noch nichts getan haben.“ Dieser Satz war der Auftakt dafür, dass sich der Pinguin Skipper in Wahnvorstellungen verlor und von seinen Pinguinfreunden liebevoll, aber bestimmt zur Vernunft gebracht werden musste, da die kleine Pinguinwelt im Irrsinn des Pinguins Skipper zusammenfiel.

Wenn wir in allem Bedrohung und Feinde sehen, dann versinkt die Welt im Chaos. Das sehen wir gerade leider nur allzu gut in dieser Welt.

Wie es auch anders gehen kann, zeigte die Geschichte Jesu am heutigen Gründonnerstag. Denn auch dort, an diesem besonderen Abend, da Jesus das letzte Mal mit seinen engsten Freunden zusammenkommen sollte und wollte, war die Welt alles andere als heil. Unter den Jüngern war ein Verräter, der – auch wenn das Werk noch nicht vollendet war – bereits Blut an den Händen kleben hatte. Judas verriet seinen Freund Jesus für 30 Silberstücke und sollte ihn dadurch seinen Mördern und dem Foltertod ausliefern.

Jesus ahnte bereits, wusste es wohl sogar, was ihm bevorstand. Aber anstatt in Judas seinen Feind zu sehen und ihn zu attackieren, um sich selbst zu retten, setzte er sich mit ihm an den Tisch. In Leonardo da Vincis berühmten Bild vom „letzten Abendmahl“ sitzt Judas gar ganz nah bei Jesus. Kein großer Abstand, keine Ablehnung, kein Streit, nur das Gesicht im Schatten versunken. Lediglich die mahnenden Worte bevor das Essen gereicht wird, sind in der Bibel überliefert: „Wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten.“ Judas ahnt das Unheil: „Bin ich es?“ - „Du sagst es“, antwortete ihm Jesus. Das war es. Mehr passiert an dem Abend nicht. Sie essen zusammen. Jesus teilt das Brot. Reicht den Kelch mit dem Wein herum. „Zur Vergebung eurer Sünden“, sagt er und meint damit auch Judas. Es ist in dem Moment ja eh nicht zu ändern, was bereits geschehen ist.

Diese berühmte Geschichte ist kein Plädoyer, sich ohne Widerspruch seinem Schicksal zu fügen. Das macht Jesus nicht. Für mich ist die Geschichte heute eine Mahnung, die Welt zu entfeinden.

Es geht darum, in seinen Mitmenschen zuerst immer die Freunde zu sehen und genauso mit ihnen umzugehen. Nur dann schaffen wir es, den Hass, die Gewalt, den Krieg, das Dunkle in dieser Welt und in uns zu überwinden, damit diese Welt neu werden kann.

Pastor Tobias Heyden,
Drei-Ritter-Kirchengemeinden
Altenmedingen, Bienenbüttel und Wichmannsburg

Angedacht - Das „Wort zum Gründonnerstag“ zum Anhören