Begegnungen im Sommer

14. Juni 2026

Pastorin Friederike Holst, Ev.-Luth. Suidbert-Kirchengemeinde Wriedel

Wort zum Sonntag, 14.06.2026 (2. So. n. Trinitatis)

Friederike Holtz (Foto: Holger Holtz)

Ging es Ihnen schon einmal so? Sie waren herzlich eingeladen, aber vor Ort wurde Ihnen klar: Eigentlich gehöre ich hier nicht dazu. Sie fühlten sich falsch gekleidet oder ein Gespräch mit anderen Anwesenden kam nicht in Gang.

Es reicht nicht, eingeladen zu sein. Man muss auch willkommen sein. Das richtige Ambiente, die passende Musik, das gute Essen – alles wichtig, aber ohne Gemeinschaftsgefühl ist es kein Fest.

Die Einladung an alle und echte Tischgemeinschaft sind der praktische Kern der Botschaft des Jesus von Nazareth. Er lud alle ein und setzte sich mit allen Menschen zusammen. Er gab ihnen das Gefühl dazu zu gehören. Die soziale Stellung war ihm egal, was zu manchem Konflikt führte. Heute würden wir vielleicht sagen: Er ging raus aus seiner Bubble, dort wo nur die sind, die ihm ähnlich sind. Und offensichtlich fühlten sich Menschen wohl am Tisch mit Jesus, angenommen und gesehen.

Dabei ging es nicht oberflächlich nett zu. Klare Worte und das Ringen um das richtige Leben gehörten bei Jesus sehr wohl zum Tischgespräch. Aber er lebte Gottes Interesse an Menschen, die eben nicht perfekt sind. Viel beunruhigender als die echten oder vermeintlichen Fehler war für ihn der Rückzug und der Ausschluss aus der Gemeinschaft. Jesus hat sich gerade zu denen gesetzt, die unsicher waren, ob sie an Gottes Tisch überhaupt sitzen dürfen. 

Jesus lädt ein zum Miteinander, auch heute. Jede und jeder ist ihm als Tischnachbar willkommen. „Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Ich will euch Ruhe schenken.“ (Matthäus 11,28)

Oft bleiben wir gern unter uns, leider auch in der Kirche. Dann spüren andere schnell, dass sie nur aus Pflichtgefühl eingeladen sind. Egal in welchem Zusammenhang, Willkommenskultur auf Befehl kann nicht funktionieren. Was da helfen kann, ist die Neugier. Sich einmal bewusst zu jemandem setzen, der oder die nicht schon zu meinem Kreis gehören. Eine echte Frage stellen und etwas Neues hören wollen.

Das beste Gefühl nach einer Einladung befindet sich nicht im Magen, sondern im Herzen. Menschen haben sich gegenseitig wirklich wahrgenommen. Sie konnten nicht nur Meinungen loswerden, sondern ehrlich ihre Geschichten erzählen und die der anderen hören. 

Der Sommer ist eine Zeit der Einladungen zu vielen Festen und Veranstaltungen. Warum nicht einmal Ausschau halten nach einer neuen Begegnung.

Pastorin Friederike Holtz
Ev.-Luth. Suidbert-Kirchengemeinde Wriedel