Wie der Wind ...

24. Mai 2026

Pastorin Carolin Luck, Ev.-luth. Kirchengemeinde Bevensen-Medingen

Wort zu Pfingsten, 24./25.05.2026

Carolin Luck (Foto: privat)

Wind ist bewegte Luft. Wind entsteht, um Unterschiede im Luftdruck auszugleichen. Im Frühling und im Sommer gerät die Atmosphäre besonders in Bewegung. Und in diesen Wochen sind viele von uns gerne draußen. Endlich gibt es wieder warme Tage, und wegen der ganzen Feiertage gibt es auch viele Gelegenheiten, etwas Schönes draußen zu machen.

Egal ob auf einem Ausflug ins Grüne oder im Garten: Wenn ich die Sonne und den Wind auf der Haut spüre, dann spüre ich in mir die Lebensfreude. Ich fühle mich einfach frei und lebendig! Und dazu passt ja auch, dass die Natur wieder aufblüht und alles um mich herum zu neuem Leben erwacht.

Pfingsten ist für Christinnen und Christen das Fest des Heiligen Geistes. Und die Worte für „Geist“ bedeuten in der Bibel zugleich „Atem“ und „Wind“. Etwas Unsichtbares, das dennoch wirklich ist. Etwas Dynamisches, das belebt. Die Atemluft ist nicht sichtbar, und doch brauchen wir sie zu jeder Zeit. Wir leben, weil wir atmen. Wir denken kaum darüber nach – bis uns die Luft fehlt. Der Atem trägt uns durch den Tag, still und zuverlässig. Mit der Atmung gelingt es dem Körper, abgeatmetes CO2 abzutransportieren und frischen Sauerstoff für den Organismus zur Verfügung zu stellen.

Vielleicht ist das ein Bild dafür, wie Gott in uns wirkt. Gott existiert nicht irgendwo fern und unpersönlich, sondern mitten in uns, wie ein Lebensstrom.

Der Geist des Lebens erinnert uns daran, dass wir mehr sind als unsere Sorgen, unser Funktionieren oder unsere Müdigkeit. Gottes Geist wohnt nicht nur in Kirchenräumen oder besonderen Augenblicken. Er will Menschen von innen her bewegen. Jederzeit kann der göttliche Geist uns im Alltag neue Energie und Freude geben.

Und dieses Bewegt-Sein hat Folgen: Der Geist Gottes drängt Härte und Egoismus in uns zurück und stärkt Eigenschaften wie Menschlichkeit und Mitgefühl, Mut und Wahrheit. Wenn wir uns auf diesen göttlichen Geist einlassen, hilft er uns, mit anderen gut zusammenzuleben, uns für das Gute einzusetzen, uns selbst zu vergeben, neu anzufangen.

An Pfingsten wird genau das erzählt. Die Freunde von Jesus hatten sich zurückgezogen. Enttäuscht, verängstigt und mutlos waren sie. Doch dann gerät etwas in Bewegung. Die Bibel spricht von einem Brausen wie ein gewaltiger Wind. Plötzlich gehen die Jüngerinnen und Jünger raus. Sie werden mutig. Aus Angst wird Aufbruch. Aus einzelnen Menschen entsteht eine neue Gemeinschaft.

Pfingsten erinnert mich daran: Gott ist kein starres Prinzip. Die göttliche Kraft wirkt! Unberechenbar, lebendig, dynamisch. Wie der Wind, der mich anweht und durch den ich mich lebendig fühle.

Pastorin Carolin Luck,
Ev.-luth. Kirchengemeinde Bevensen-Medingen

Angedacht - Das „Wort zu Pfingsten“ zum Anhören