Ostern am 1. April 1945 war das letzte kirchliche Fest, das Dietrich Bonhoeffer erlebt hat. Der evangelische Pastor war als Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime verhaftet worden und hat zwei Jahre im Gefängnis gesessen.
Ich kann mir nicht vorstellen, wie die Menschen in einem völlig zerstörten Europa Ostern damals gefeiert haben - wie sie es heute in der Ukraine tun. Ich weiß nicht, wie es bei Dietrich Bonhoeffer in seiner Gefängniszelle gewesen ist. Ich frage mich aber, ob es ihm geholfen, ihn getröstet, ihn aufgerichtet hat, dieses Fest noch einmal zu feiern; seinen eigenen Tod vor Augen.
Ostern, dieses unglaubliche Fest, das uns sagt: Durch die Auferstehung Jesu ist dem Tod alle Macht genommen.
Oder mag es Bonhoeffer schwer auf der Seele gelastet haben, dass in den Trümmern Ostern gefeiert wurde? Dass mit verzweifeltem Mut Tod und Teufel verlacht und verspottet wurden, er aber dem Tod und seinen Teufeln brutal ausgeliefert war? - Nur vier Wochen später, am 8. Mai 1945, hätte der braune Spuk doch ein Ende gehabt.
Am 5. April hatte Hitler persönlich die Hinrichtung Bonhoeffers angeordnet, zusammen mit der anderer Widerstandskämpfer. - Am 6. April war Dietrich Bonhoeffer mit einem Häftlingstransport aus dem KZ Buchenwald in ein Dorf bei Passau gebracht worden. Entfernt konnte man schon amerikanische Geschütze hören. - Am 8. April, dem Sonntag nach Ostern in jenem Jahr, hielt Bonhoeffer auf Bitten der Mitgefangenen einen Gottesdienst in dem Schulhaus, in dem die Gruppe untergebracht war. - Kurz danach kamen Polizisten und brachten ihn in das KZ Flossenbürg, wo er am 9. April 1945 umgebracht wurde - 39 Jahre alt.
„Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“ - Dieser Satz stammt von Dietrich Bonhoeffer. Er deutet daraufhin, dass ihm sein letztes Osterfest Kraft gegeben hat.
Und auch die Worte aus dem ersten Petrus-Brief, über die er seinen Mitgefangenen am Tag zuvor gepredigt haben mag: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus. In seiner großen Barmherzigkeit hat er uns neu geboren. Denn er hat uns eine lebendige Hoffnung geschenkt, weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. Es ist die Hoffnung auf ein unvergängliches Erbe, das rein ist und nie seinen Wert verliert. Das hält Gott im Himmel für euch bereit, und er bewahrt euch durch seine Macht.“ (1.Petrus 1,3-5)
Das klingt, als wären diese Worte aus dem 1. Petrus-Brief für Dietrich Bonhoeffer geschrieben worden - und heute für uns.
Welche Aufgaben anstehen, in welchen Herausforderungen Sie stecken mögen: Ich wünsche Ihnen, dass Sie zu einer lebendigen Hoffnung finden. Und dass die Kraft, die von Ostern ausgeht, auch Sie erfasst und stärkt und tröstet.
Pastorin Anne Stucke,
Ev.-luth. Kirchengemeinde Ebstorf