Umsonst

28. Juni 2026

Susanne Hallwaß, Pastorin in Barum-Natendorf und Ebstorf

Wort zum Sonntag, 28.06.2026 (4. So. n. Trinitatis)

Pastorin Susanne Hallwaß (Foto: privat)

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Endlich Zeit zum Durchatmen, zum Auftanken und Luftholen. Zeit, die Seele zu stärken – mit diversen Kursangeboten für Erwachsene und Ferienbetreuungen für Kinder. 

Manchmal bleibe ich in Geschäften oder vor Schaufenstern stehen, schaue mir die Plakate an, nehme mir die Prospekte in die Hand und staune: Nicht über die Angebote an sich (ich kenne die Sehnsucht in meinem eigenen Herzen), sondern über die Geschäftemacherei damit. 

Ich staune, weil Religion für viele Menschen immer mehr an Bedeutung verliert und gleichzeitig das Bedürfnis nach Seelenstärkung so groß zu sein scheint. Problemlos werden mehrere hundert Euro für einen Kurs zur Erhöhung des Selbstwertgefühls, zur Resilienzförderung, der richtigen Atemtechnik oder Entspannungsübungen sowie Yoga-Seminare gezahlt. 

Dabei geht es in unterschiedlichen Religionen seit Hunderten von Jahren um nichts anderes. Die Bibel ist voll mit Geschichten, die Halt im Leben geben, die stark machen, entschleunigen und Orientierung schenken. 

Ich liebe zum Beispiel die Geschichte von David und Goliat. In dieser Geschichte besiegt der kleine Hirtenjunge David den gefährlichen Riesen Goliat mit einer einfachen Steinschleuder, weil Gott ihn stark und mutig macht. (vgl. 1. Samuel 17)

Oder die Geschichte in der sich Jesus selber eine Auszeit nimmt. Nachdem Jesus am Abend zuvor viele Kranke geheilt hatte und es immer mehr werden, entzieht er sich am frühen Morgen dem Druck und den Erwartungen der anderen, geht an einen einsamen Ort und betet. Gestärkt und neu ausgerichtet, macht er sich dann auf den Weg, seinen Auftrag zu erfüllen. (vgl. Markus 1,32-39

Diese Seelenstärkung gibt es umsonst – in den Geschichten der Bibel und vielen Angeboten der Kirchengemeinden vor Ort, nicht nur in diesem Sommer. Seit Hunderten von Jahren schon haben Religionen die Menschen stark gemacht, Halt und Orientierung geschenkt. Die Kirche tut dies auch heute noch auf vielfältige Weise. 

Vielleicht kann es ein Anfang sein, wenn wir bei dieser Hitze auf der Suche nach einem kühlen Ort in eine „offene Kirche“ treten. Eine Kirchentür öffnen, hineingehen, eine Kerze entzünden, einen Impuls lesen und die Stille erleben, ganz umsonst. 

Herzlich willkommen!

Susanne Hallwaß, Pastorin in Barum-Natendorf und Ebstorf