Wir erleben gegenwärtig, dass die Säulen der Nachkriegsfriedensordnung zerfallen. Zu diesen Säulen gehörte eine gewisse Solidarität, die in Geldern für humanitäre und Entwicklungshilfe ihren Ausdruck fand. In der letzten Februarwoche hat Trump verkündet, dass die USA ab sofort keinen Cent mehr dafür ausgeben werden. Damit entfallen geschätzte 45 % der weltweiten Hilfe für Arme, Verfolgte, für Minderheiten und Flüchtlinge.
Auch bei unserer Bundesregierung gibt es einen Abwärtstrend bei zivilen Mitteln für globale Sicherheit. In den Jahren zwischen 2022-2025 ist der Haushalt für humanitäre Hilfe insgesamt auf ein Drittel geschrumpft. Demgegenüber stieg und steigt der deutsche Wehretat und es ist geplant, dass der deutsche Verteidigungsetat sich bis 2029 noch einmal verdoppelt.
Ich finde es wichtig, dass unsere Empörung über die Verbrechen Russlands in der Ukraine uns nicht blind macht für diese Entwicklungen, die weit über den Ukrainekonflikt hinausgehen. Wir erleben eine Reduktion des Sicherheitsbegriffs auf das Militärische.
Obwohl globale Menschheitsprobleme angegangen werden müssen und es angesichts von Klimawandel, Artensterben, Pandemien und Armut Sicherheit in der Weltgemeinschaft nur gemeinsamen geben kann, erleben wir eine Fixierung auf Aufrüstung. Die multilateralen Organisationen mit ihren Übereinkommen für den globalen Handel, für Gesundheit, Entwicklung, Klima- und Umweltschutz werden finanziell abgebaut.
Kirche-Sein in diesen schwierigen Zeiten heißt, die Hoffnung auf eine gerecht geordnete Weltgemeinschaft festzuhalten. Heißt im Beten, Reden und Tun die Erwartung einer friedlichen Zukunft offen zu halten und vielleicht so mitzuhelfen, diese Zukunft näher zu bringen.
Dieser Auftrag beinhaltet auch Widerspruch, wenn immer mehr Geld für das Militär zur Verfügung gestellt wird. Mehr Waffen bringen nicht mehr Frieden. Im Gegenteil. Die entfesselte Rüstungsdynamik, die wir erleben, verhindert zivilen Fortschritt – weltweit und in unserem Land.
Begegnungsräume und Handlungsräume sind nötig, in denen eine Verwandlung zu Frieden hin beginnt, weil wir den Ruf zur Umkehr aus unserer Gewaltverstrickung hören und in unserer Ohnmacht getröstet werden – auch wenn die alten Worte manchmal fremd in unseren Ohren klingen.
Ich erinnere an die Worte Gustav Heinemanns aus der Zeit der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik: „Die Herren der Welt gehen, unser Herr aber kommt.“
Prof. Dr. Klara Butting,
Pastorin im Zentrum für biblische Spiritualität und gesellschaftliche Verantwortung an der Woltersburger Mühle