Jeder, der aus der Landwirtschaft kommt und schon einmal gepflügt hat, weiß, worauf Jesus mit dem Bibelwort für diesen Sonntag anspielt:
„Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück,
der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lukas, 9, 62)
Ich schaue nach hinten, um zu kontrollieren, ob die gepflügte Furche grade ist. Und im gleichen Moment verliere ich vorne die Richtung und habe eine Delle reingepflügt. Der Blick zurück kann gefährlich sein.
Gleiches gilt auch, wo wir uns mit zurückliegenden Lebensentscheidungen schwer tun. „Sollen wir die Geräte nun abstellen?“, fragt der Arzt die Ehepartnerin des Patienten. Sie muss eine Entscheidung treffen und weiß doch gleichzeitig, dass sie es eigentlich nicht kann.
Immer wieder sind solche Entscheidungen von uns gefordert, über die wir noch Jahre später kopfschüttelnd nachgrübeln werden. Die Energie, die wir brauchen, um nach vorne zu gehen, bleibt dann gebunden im Blick zurück.
Was mir an der Stelle hilft, ist ein Gedanke von Dietrich Bonhoeffer, geschrieben 1943 aus dem Gefängnis: „Ich muss die Gewissheit haben können, in Gottes Hand und nicht in Menschenhänden zu sein. Dann wird alles leicht, auch die härteste Entbehrung.“ Damit hat er für sich Sinn in mancher sinnlosen Lebenssituation gefunden und die Kraft, die es brauchte, um seinen Weg zu Ende zu gehen.
Pastor Ulrich Hillmer
Seelsorger im Helios-Klinikum, im Heiligen-Geist-Stift und im Wichern-Haus Uelzen