Schau hin!

29. März 2026

Heike Burkert, Pastorin für regiolokale Kirchenentwicklung in den Kirchenkreisen Uelzen und Wolfsburg-Wittingen

Wort zum Sonntag, 29.03.2026 (6. So. in der Passionszeit)

Heike Burkert (Foto: privat)

„Manchmal halte es einfach nicht mehr aus“, sagt eine Freundin. „Dann schaue und lese ich einfach tagelang keine Nachrichten, sonst komme ich gar nicht mehr zu Ruhe.“ 

Ich kann sie gut verstehen. Auch ich merke, dass es mir schwerfällt, die Gedanken an die aktuellen Kriege und deren Folgen abzuschalten. Bilder zerstörter Städte und Bilder von Menschen, denen die Verzweiflung im Gesicht steht, verfolgen mich.

Manchmal möchte ich das alles wegschieben, auch keine Nachrichten mehr anschauen, aber es gelingt mir nicht. Etwas in mir sagt: guck hin! Das alles ist ein Teil der Welt, in der du lebst und Deine Enkel groß werden. Du darfst die Augen nicht verschließen. Der Frieden, in dem du bisher dein Leben leben durftest, ist nicht selbstverständlich. Er ist kostbar und zerbrechlich. Du hast etwas erleben dürfen, was unendlich vielen Menschen dieser Welt verwehrt bleibt und was ihnen doch genauso zusteht wie dir.

Wir sind alle miteinander verbunden, alle davon abhängig, dass ein Miteinander auf dieser Welt funktioniert. Wir haben als Menschen dieser Erde eine Verantwortung, die über unser „kleines“ Leben hinausgeht.

Ich darf und will mich nicht mit einer Welt abfinden, in der Kriege und Terror „normal“ sind, in der mit Gewalt um Ressourcen gekämpft wird, in der das vermeintliche Recht des Stärkeren Menschen, Mitwelt und Mitgefühl tötet.

Auch wenn es vielen Menschen fremd (geworden) ist: für mich ist das Zeichen des Kreuzes ein Symbol für die Aufforderung: Schau hin! Es beginnt die Woche vor Ostern. Sie wird auch Karwoche genannt. „Kara“ bedeutet so viel wie Klage, Kummer oder Trauer. Ja, es gibt viel zu beklagen. Aber klagen heißt nicht jammern. Klage benennt Not und Leid. Klage ist ein Ausdruck von Gefühl und Mitgefühl.

Am Karfreitag denken Christen an den Tod Jesu am Kreuz. Für sie ist es ein Zeichen des Mitgefühls Gottes mit dieser Welt und eine Aufforderung, sich für Versöhnung und Menschlichkeit einzusetzen.

Heike Burkert,
Pastorin für regiolokale Kirchenentwicklung in den Kirchenkreisen Uelzen und Wolfsburg-Wittingen

Angedacht - Das „Wort zum Sonntag“ zum Anhören