Lätare - das kleine Ostern

15. März 2026

Pastorin Dr. Dorothea Mecking Ev.-luth. Kirchengemeinden St. Marien Uelzen und Veerßen, ​​​​​​​Klinikseelsorgerin im HGZ Bad Bevensen und stellvertretende Pröpstin

Wort zum Sonntag, 15.03.2026 (4. So. in der Passionszeit)

Dorothea Mecking (Foto: privat)

Ein Spaziergang an einem sonnigen Märzsonntag: Auf einigen Feldern wächst schon die Wintersaat. Andere Äcker sind noch braun und leer. Die Äste der Bäume sind noch kahl. Nichts deutet auf den kommenden Sommer mit seinen blühenden Gärten und Getreidefeldern hin.

Aber das Weizenkorn ist schon in die Erde gefallen. Im Verborgenen und Kleinen, in dem fast nicht sichtbaren Weizenkorn in der Erde ist die Kraft der Entfaltung bereits angelegt. Aus dem Unscheinbaren entwickelt sich etwas, das ins Auge fällt und viel Frucht bringt – und es ist jetzt schon da.

Dieser Ausblick auf das Kommende ist ermutigend. Das gilt nicht nur für den Anblick unserer windzerzausten Gärten und Felder. Es gilt auch für die Passionszeit, für die vierzig Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern. Das Sterben Jesu am Kreuz und seine Auferstehung am Ostermorgen - beides gehört in unserem christlichen Glauben, aber auch in unserem alltäglichen Leben zusammen. Karfreitag mit dem Sterben Jesu am Kreuz ist in seiner Härte schwer zu begreifen. Ebenso fragen wir beim Erleben von eigenem und fremdem Leid: „Warum?“ Lässt sich das Leiden nicht doch durch gründlichere Vorsorge und Planung vermeiden?

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ - Diese Worte Jesu stehen im Johannes-Evangelium. Er weist damit auf seinen Tod und seine Auferstehung hin. Das Weizenkorn liegt in der dunklen Erde. Es keimt, und die Sonne lockt die grünen Triebe hervor. Sterben und neues Leben, beides ist im Weizenkorn angelegt.

Wir können darauf vertrauen, dass es auch bei uns so ist wie mit dem Weizenkorn: Das Stillhalten in einem Zustand des Leidens und der Dunkelheit, in dem wir uns wie tot fühlen, ist nicht das Endgültige. Auch dort, wo wir meinen, dass sich nichts bewegt, wächst schon etwas Neues. Jesu Auferstehung bedeutet eine Hoffnung darauf, dass auch unser eigenes Leid sich verwandeln wird und wir durch das Leiden hindurch wieder ins Licht gehen.

Der kommende Sonntag Lätare, das „kleine Ostern“, leuchtet wie solch ein Licht mitten in der Passionszeit auf. Lätare ist ein Ausblick für uns auf das kommende Osterfest und auf Jesus Christus, der den Tod überwunden hat.

Pastorin Dr. Dorothea Mecking
Ev.-luth. Kirchengemeinden St. Marien Uelzen und Veerßen,
Klinikseelsorgerin im HGZ Bad Bevensen und stellvertretende Pröpstin

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