Frustriert blättert Hans durch die Fachzeitschrift. Schon wieder haben sich die betrieblichen Bestimmungen und die Gesetzeslage verändert. Wo soll das alles noch hinführen, wann wird es endlich ruhiger werden? Da klingelt das Telefon. Sein bester Freund ist in der Leitung. Er kommt gerade aus dem Urlaub zurück. In einer Kirche habe er eine Karte gesehen mit Worten von Jesus. „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch Ruhe schenken“, stand da drauf. (Die Bibel, Matthäus 11,28)
„Ja, Ruhe“, sagt Hans, „das wünsche ich mir.“ „Ob wir die politische Lage beruhigen können, ich weiß es nicht“, entgegnet sein Freund. „Bei Jesus geht es eher um innere Ruhe. Da kann die Welt draußen toben, aber innerlich bleibst du entspannt.“
Hans schüttelt ungläubig den Kopf. So ganz kann er sich das nicht vorstellen. - „Das mit Jesus ist kein Automat, wo du oben Geld reinsteckst und unten Ruhe rauskommt“, meint sein Freund durch den Hörer. „Es ist eher wie bei einer Beziehung, die gut tut. Ich verbringe gerne Zeit mit Jesus. Dann überträgt sich seine Ruhe auf mich.“ - „Du meinst diese Ruhe, mit der er sogar im Sturm noch schlafen kann?“, fragt Hans vorsichtig nach. - „Ja, die.“ - „Und wie verbringst du Zeit mit Jesus? Du kannst ihn ja nicht mal sehen.“ - „Mindestens einmal am Tag atme ich tief durch“, antwortet der Freund: „Dann spreche ich ein Gebet und sage Jesus, wie’s mir gerade geht, was mich beschäftigt. Manchmal lese ich auch in der Bibel. Oder ich murmle beim Spaziergang einen Bibelvers immer wieder vor mich hin. Ab und zu gehe ich in einen Gottesdienst und werde gestärkt durch die Gemeinschaft.“
„Und wie spürst du die Ruhe?“, hakt Hans nochmal nach. - „Ich merke, dass ich in neuen Situationen gelassener bleiben kann. Es ist, als ob Jesus einen positiven Einfluss auf mich hat. Ich rege mich nicht so leicht auf, sondern kann erst mal tief ein- und ausatmen. Dann mache ich mir klar, dass Jesus mir beisteht und mir Kraft gibt. Mit seiner Hilfe kann ich auch das durchstehen.“ - „Ah“, macht Hans: „Na, wenn du meinst.“ - „Mir hilft es, aber es funktioniert auch nicht immer gleich gut“, gibt der Freund zu. - „Ich kann’s ja mal versuchen“, seufzt Hans: „Ruhe kann ich auf jeden Fall gebrauchen.“
Pastorin Ann-Kathrin Averbeck,
Ev.-luth. Kirchengemeinden im Gerdau-und-Hardautal