Regen ist ab und zu nötig. Auf Gewitter verzichte ich gerne. Ein göttliches Donnerwetter mag König David befürchtet haben, als er einst flehte: „Ach, HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm!“
Martin Luther konnte diese Sorge gut nachempfinden, die er in Psalm 6,2 fand, der Losung für diesen Sonntag. So schwor er im Juli 1505, als er auf einer Reise in schweres Gewitter geriet, dass er Mönch werden würde, wenn er lebend davonkäme. Er kam davon, wurde Mönch, Doktor der Theologie und Übersetzer der Bibel in die deutsche Sprache.
„Wer glaubt’s aber, dass du so sehr zürnest, und wer fürchtet sich vor deinem Grimm?“, übersetzte Luther auch die Jahrtausende alte Frage aus Psalm 90. Die Frage stellt sich erst recht im 21. Jahrhundert: Wen treibt heute noch die Furcht vor dem Jüngsten Gericht um?
Bei himmelschreiendem Unrecht wünscht man vielleicht, dass Gott mit einem Donnerwetter dreinführe. Mein Unrecht vor Monaten war eher ein zum Himmel schweigendes. Ich hatte das Gespräch mit Gott eine Weile nicht gesucht und ignorierte auch hier und da mein Gewissen. Getroffen durch die Losung: „Eure Liebe ist wie der Tau, der frühmorgens vergeht!“, betete ich kleinlaut: „Vergib mir? Dein Wille geschehe…“. Unerwartet kam da Jesu Zusage aus Johannes 6: „Das ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von dem, was er mir geben hat und dass ich´s auferwecke am Jüngsten Tage.“ - Keine Schelte, kein Schweigen, sondern Zuspruch! „Wenn wir aber unsere Sünde bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“ Diesen Vers kannte ich gut und war doch erstaunt und dankbar, ihn so persönlich zu erfahren.
„Donnerwetter!“ kennen wir auch als Ausdruck des Erstaunens, wenn uns zum Beispiel klar wird: „Alles vergeben? Alles gut? Donnerwetter!“ „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten.“ Jesus, der Gekreuzigte, ist sozusagen Gottes Blitzableiter für uns.
Soll das heißen, alles halb so schlimm? Nun, Jesus wird „wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern“ laut Bibel als Weltenrichter wiederkommen. Weshalb der Apostel Paulus schrieb: „Weil wir nun wissen, dass der Herr zu fürchten ist, suchen wir Menschen zu gewinnen“, Menschen, die Jesu Worten heute glauben und am Ende nicht bei Gott „abblitzen“.
Jürgen Trumann.
Vorstandsmitglied von Re:New – Kirche für Uelzen e. V.