Einfach eingeschlafen – mitten im Gottesdienst. Nein, nicht ich. Ein kleines Mädchen. Das Kind wurde in dem Gottesdienst getauft.
Und ist von einem Arm auf einen anderen gewandert: beim Papa, bei der Mama, bei Omas und Opas. Und dann bei der Patin, die mit dem schlafenden Baby auf und ab durch die Kirche spaziert ist.
„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ - den 23. Psalm hatten wir im Gottesdienst gebetet. Und ich habe gedacht: Genau. Dem Kind fehlt es gerade an nichts. Alles ist gut. So kann es ruhig schlafen.
Und mir? Fehlt es mir an etwas? Habe ich von irgendwas zu wenig in meinem Leben? Nein. Ich habe ein Dach über dem Kopf, ich habe genug zu essen. Ich lebe in Sicherheit und im Frieden. Ich habe Angehörige, Freunde, Menschen, die mir nah sind, mit denen ich mich verstehe.
Mir scheint, dass das immer noch bei vielen so ist. Dass es ihnen gut geht. Ich nehme wahr, dass da auch die andere Seite ist, die Angst macht. Angst vor zu hohen Mieten und Lebenshaltungskosten, Angst davor, nicht mehr mithalten zu können; Angst vor Wohlstandsverlust; Angst vor Gewalt.
„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“. In diesem Bild ist klar: Wenn Gras, Wasser und Sicherheit da sind, ist ein Schaf zufrieden und mit allem versorgt, was es braucht.
Vielleicht sind die Grundbedürfnisse von Schafen leichter zu erfüllen als die von Menschen. Aber der, der diesen Psalm, dieses Gebet gesungen oder gesprochen hat, war gewiss: Gott sorgt so für mich, dass ich sicher zufrieden sein kann.
Vielleicht hilft es, in dieser von Krisen geschüttelten Zeit, auf das zu sehen, was da ist, was gut ist und gelingt. Vielleicht reicht schon ein bisschen von dem Vertrauen dieses Babys in dem Gottesdienst. Das wünsche ich Ihnen.
Pastorin Anne Stucke,
Ev.-luth. Kirchengemeinde Ebstorf