Ich sitze auf dem Fahrrad und radle gemütlich durch Rosche. Mein Blick geht nicht selten in den Himmel. Oder bleibt an Bäumen kleben, deren Blätter bunt werden.
Der Wind bläst kräftig. Ich muss stärker treten. Ich komme an unserer Kirche vorbei. Da wird schon ordentlich geschmückt. Bald ist Erntedank. Dieses alte, alte Fest. Die Erntekrone wird liebevoll aufgehängt. Und im reich geschmückten Erntealtar kommt die Fülle der Natur zur Geltung. In der Kirche finden sich aber auch andere Dinge. Zum Beispiel ein altes Fahrrad oder Bilder von Enkelkindern.
Was wir nicht alles ernten in unserem Leben! - Da fallen mir viele Dinge ein. Das Wachsen im Glauben. Erfolge im Beruf. Schöne Momente in der Familie. Jemand sieht mich.
Da ist doch so viel, wofür ich dankbar sein kann. Ich muss mir das immer wieder vor Augen führen, weil ich das leicht vergesse. - Ich bin reich beschenkt. Zum Beispiel mit einer Frau, die mich geduldig erträgt. Und wenn ich mir das recht überlege. Vieles, oder sogar alles, von dem ich eigentlich lebe, das kommt von außen auf mich zu.
Das wird mir geschenkt. Glaube. Liebe. Hoffnung. Anerkennung. Freundschaft. So viele Geschenke. Und es ist noch nicht mal Heiligabend. Gott, sei Dank!
Ich glaube, dass Dankbarkeit verändernde Kraft besitzt. Und dazu gibt es eine schöne, geistliche Übung, die ich selbst leider viel zu selten praktiziere. Jetzt ist gerade auch Kastanienzeit. Hier ein Vorschlag:
Pack dir drei Kastanien in deine linke Hosentasche, wenn du morgens das Haus verlässt. Und immer, wenn du für etwas dankbar bist, wandert eine Kastanie rüber in die rechte Hosentasche. Wenn du abends zu Hause bist, und in die rechte Hosentasche fasst, kannst du dich freuen. So richtig freuen. Und noch einmal durch dein Herz wandern lassen, wofür du dankbar bist.
Gott, sei Dank! Dankbarkeit hat verändernde Kraft. Gott segne euch!
Pastor Niklas Schilling,
Ev.-luth. Kirchengemeinden Rosche, Rätzlingen und Molzen