Gepflanzt auf Hoffnung

31. Oktober 2026

Pastorin Dr. Dorothea Mecking ist Pastorin der ev.-luth. Kirchengemeinden St. Marien Uelzen und Veerßen, Klinikseelsorgerin im HGZ Bad Bevensen und stellvertretende Pröpstin.

Wort zum Reformationstag, 31.10.2026 (Reformationsfest)

Dorothea Mecking (Foto: privat)

„Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Dieser Ausspruch ist Martin Luther zugeschrieben worden. Auch wenn dieses Zitat nirgendwo in seinen Schriften belegt ist, würde es doch zu seiner Einstellung zum Leben und zum Glauben passen. Es bedeutet: Auch wenn morgen der Weltuntergang droht, ist das kein Grund, die angefangene Arbeit aus der Hand zu legen und alle Hoffnung fahren zu lassen. Es ist Zeit genug da, um in aller Gelassenheit und Zuversicht zu arbeiten, zu pflanzen und zu hoffen, über die eigene Begrenztheit hinaus.

Ich denke an eine Frau, die ich bis zu ihrem frühen Tod vor vielen Jahren gut gekannt habe. In ihrem letzten Sommer, als sie bereits schwer an Krebs erkrankt war und wusste, dass sie sterben musste, legte sie in ihrem Garten gemeinsam mit ihrem Mann noch ein neues Rosenbeet an. Beim Pflanzen der Rosen sagte sie: „Das sind meine Apfelbäume.“ In all den Jahren, die seitdem vergangen sind, blühen die Rosen jeden Sommer neu.

In Weltuntergangsstimmung gelassen zu bleiben und auf die Zukunft Gottes zu vertrauen, das können wir von Martin Luther lernen. Er hat immer wieder Zeiten durchlebt, die von Untergangsstimmung und Schrecken geprägt waren: Die Zeit der Bauernkriege, als Zerstörung, Anarchie und Gewalt an der Tagesordnung waren. Einige Jahre später die Pestepidemie, die rasend schnell um sich griff. Luther hat in diesen Zeiten unerschrocken standgehalten und hat, soweit es in seiner Macht stand, Verantwortung übernommen. Als 1522 die neu gewonnene Freiheit in der Kirche in Zerstörung und Gewalt umschlug, kam er von der Wartburg zurück nach Wittenberg und predigte gegen die sich ausbreitende Willkür und Zerstörung. Als die Pest ausbrach und die meisten Bürgerinnen und Bürger aus Wittenberg flohen, blieb Luther gemeinsam mit seiner Frau Katharina da. Sie verwandelten das ehemalige Kloster, in dem sie lebten, in ein Lazarett und pflegten die Kranken. Ganz sicher waren auch sie erschüttert und geängstigt von dem Grauen der Epidemie. Aber stärker als die Angst war das Vertrauen. Das Vertrauen und die Hoffnung darauf, dass trotz allen Schrecken Gott immer noch genug Raum und Zeit geben würde zum Wachsen, zur Entwicklung, zum Leben. Das Vertrauen, dass Gott stärker ist als Zerstörung und Tod und uns zum Leben ruft.

Reformationsfest 2026 – in einer Welt, um deren Fortbestand wir uns ebenfalls große Sorgen machen. Ich wünsche uns Gelassenheit, Unerschrockenheit und Hoffnung. Und den Mut, trotz allem ein Apfelbäumchen zu pflanzen.

Pastorin Dr. Dorothea Mecking
Ev.-luth. Kirchengemeinden St. Marien Uelzen und Veerßen, Klinikseelsorgerin im HGZ Bad Bevensen und stellvertretende Pröpstin

Angedacht - Das „Wort zum Reformationstag“ zum Anhören