Was zählt wirklich? Diese Frage begegnet mir oft in Gesprächen. Auf der Station und besonders in der Notfallseelsorge. Ist es wirklich wichtig, was ich besitze?
Was bleibt und was trägt? Mit dieser Frage war schon Paulus im Kontakt mit der Gemeinde in Korinth konfrontiert. Er nutzt hierfür das Bild des Hausbaus, da es in der Welt seiner Zuhörerschaft greifbar erscheint. Das Haus ist fragil, wenn es nicht in Christus verankert ist.
Es ist spannend, denn ich musste beim Lesen der Baustoffe an den Klimawandel denken. Naturphänomene werden gewaltiger, spürbarer. Ich kann die Sorge um die Beschaffenheit des Grundes gut nachvollziehen.
Was zählt wirklich? Was ist mein Fundament im Leben, auf das ich alles andere baue, das hält, wenn das Leben mal ungemütlich wird? – Paulus sagt: Christus! Darauf kann ich mich verlassen. Nicht vergänglich, sondern immer da, im Tempel. Dort kann ich meinen Grund, meine Verankerung im Leben finden, im Tempel, in dem Christus lebt. Der menschgewordene Gott ist da - im Tempel, der heilig ist. Wenn ich auf ihn baue, dann bin ich gefestigt.
Ja, gute Idee, oder? Als Christ kann ich da total mitgehen, aber leider habe ich gerade die Adresse des Tempels verlegt.
Hier kommen wir ins Spiel: Der Tempel, in dem Gott lebt, ist kein Ort, zu dem ich lange reisen muss. Gott ist in uns. Wir sind dieser Tempel.
Szenenwechsel: Messegelände Hannover, vor acht Tagen. Das erste Lied meiner Lieblingsband ertönt. Wie verrückt schreie ich mit, tanze und bin frei. - Ich glaube, das war so ein Moment, in dem ich den Tempel in mir entdecke.
Das Leben ist nun mal das Leben, und im Stress des Lebens wissen wir nicht mehr, wie dieser Tempel aussieht oder ob wir ihn sogar schon gesehen haben. Doch dann blitzt es in unseren Alltag durch: etwas, das uns so tief berührt, dass es für einen Moment anders ist, in dem wir den Tempel betreten.
Das kann ein Sonnenaufgang über den Feldern sein oder so viel mehr. In diesem Moment anzunehmen, dass dies ein Einblick in Gottes Tempel - ja, in uns selbst ist, gelingt nicht immer. Der Text erinnert uns daran, offen zu sein für diese Momente, in denen der Tempel offenbart wird.
Zum Schluss verabschieden sich alle auf dem Konzert mit einem Wunsch: dass wir nicht alleine durch den Tag gehen. Das wünsche ich euch auch, denn: „You’ll never walk alone.“
Diakon Lukas Wollenzien
Seelsorger in der DianaKlinik Bad Bevensen