Es ist mitten in der Nacht. Ich schlafe gut und bin mitten im Traum. Aber auf einmal ist Alarm. Schlaftrunken bestätige ich, dass ich komme und mache mich auf. Anziehen, runtergehen, Auto starten. Hin zum Gerätehaus. Obwohl es mal wieder „nur“ eine Brandmeldeanlage ist, die sich meldet. Vielleicht hat jemand zu viel Haarspray benutzt oder etwas in einem Toaster braten wollen, oder, oder, oder.
Oder es ist eben doch etwas passiert und ein Hotel steht in Flammen. Glücklicherweise ist es meist kein Brand, der den Alarm verursacht hat. Aber es könnte ja sein…
Wenn ich mir überlege, weshalb ich das mache und nicht lieber weiter schlafe, dann würde ich sagen: Weil ich nicht nur für mich und mein nächstes Umfeld Sorge trage, sondern auch für die Gesellschaft im Großen und Ganzen.
„Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch“, gibt uns der Wochenspruch mit auf den Weg durch die neue Woche.
Oftmals ist es ja nicht so einfach wie bei einem Feuerwehreinsatz, Sorgen zu beurteilen. Sind sie berechtigt, sind sie übertrieben oder gar krankhaft? Das Wort „Sorge“ schillert bunt. Am schwierigsten ist es da, wo ich nicht wirklich eindeutig sagen kann, ob etwas gut oder schlecht ist. Bei einem brennenden Haus werden alle sagen: „Hier muss gelöscht werden!“ Wie wir uns unsere Gesellschaft vorstellen hingegen, ist sehr unterschiedlich.
Und doch sind wir alle an diesem Wochenende aufgerufen, auf lokaler Ebene zu sagen, wie es weiter gehen soll. „Wir sind alle Individuen“ heißt es im „Leben des Brian“. Für unsere Wahlentscheidung gilt das auch. Aber gleichzeitig arbeiten wir alle am der Zukunft unserer Gesellschaft mit. An diesem Wochenende geht es bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen darum, dass wir uns um unsere Stadt, Gemeinden und den Landkreis sorgen. Dass wir, wie es anderswo in der Bibel heißt „der Stadt bestes“ suchen.
Nach einem nächtlichen Feuerwehreinsatz schlafe ich für gewöhnlich schnell wieder ein. Ich weiß, dass nun alles so gut ist, wie es den Umständen entsprechend geht. Ich kann meine Sorgen abgeben und die Hotelgäste schlafen auch schon wieder oder laden noch schnell ihr neues Video vom Feuerwehreinsatz mitten in der Nacht hoch.
Für mich gilt: „Alle eure Sorge werft auf ihn“. Bei der Feuerwehr genauso wie zu Hause, bei der Arbeit oder für unser Gemeimeinwesen: Ich mache und tue, was mir möglich ist, dass es gut wird und bleibt. Und ich weiß, dass ich dabei gehalten bin, denn „er sorgt für euch“
Lars Neumann,
Seelsorger in den JVAen Uelzen und Celle