Wann hatten Sie zuletzt nichts vor - einen Tag ohne Plan? Ich meine einen Tag, an dem nichts fest geplant war. Die Sommerferien sind gerade zu Ende gegangen. Vielleicht hatten Sie es: einen Tag, an dem einfach gar nichts anstand.
In den Ferien fällt es leichter, einmal aus dem Takt zu kommen. Man sitzt lange beim Frühstück, geht spazieren, liest ein Buch, schaut aufs Wasser oder in den Himmel. Man weiß nicht genau, wie spät es ist – und es ist auch gar nicht wichtig.
Wie gut das tut. Und wie sehr es mich zugleich unter Stress setzen kann: Denn ich bin es gewohnt, meine Zeit sinnvoll zu nutzen. Selbst die freie Zeit wird schnell zu einer Aufgabe. Ich habe frei – und nehme mir etwas vor: Aufräumen, Gartenarbeit, Sport, endlich das Puzzle fertigkriegen.
Und schon entsteht wieder Druck. Meine innere Stimme drängt mich, die freie Zeit sinnvoll zu nutzen. Effektiv zu entspannen, sozusagen. - Doch ich wage die Gegenfrage: Freie Zeit zu nutzen, um mal nichts zu tun - sollte dieser Zweck nicht ebenso sinnvoll sein? Ein Tag darf einfach schön sein – und sonst nichts.
„Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein“, heißt es in Psalm 118,24. Ein Tag ist Geschenk, bevor wir irgendetwas aus ihm gemacht haben.
Die Bibel kennt diesen Gedanken im Sabbat. Gott selbst ruht am siebten Tag. Und er lädt uns ein, es ihm gleichzutun. Ein Tag, an dem alle Arbeit ruht, erinnert uns daran, dass unser Leben nicht davon abhängt, was wir schaffen. Und wenn wir morgens aufwachen und denken: „Heute habe ich nichts vor“ – dann ist das ein Geschenk.
Ich möchte mir diesen Schatz aus dem Urlaub mitnehmen und mir mitten im Alltag kleine Räume bewahren – für einen Kaffee, der nicht schnell nebenbei getrunken wird, einen Spaziergang ohne Ziel, ein Gespräch ohne einen einzigen Blick auf die Uhr. Zeit zum Atmen, Staunen, Genießen, Trödeln, einfach Sein.
Denn vielleicht wartet gerade in dieser unverplanten Zeit etwas auf uns, das wir im vollen Kalender leicht übersehen: die Freude am Augenblick, die Ruhe, das Leben selbst. Und vielleicht sogar Gott.
Wann also hatten Sie zuletzt nichts vor? Wenn Sie sich nicht erinnern, könnte es mal wieder Zeit sein.
Pastorin Susanne Schulz,
Ev.-luth. Kirchengemeinde Nettelkamp