In zwei Wochen sind Kommunalwahlen. Plakate hängen an den Straßen, Kandidatinnen und Kandidaten werben um Vertrauen, und politische Diskussionen werden intensiver.
Ich muss unwillkürlich an die Aussage von Paulus denken (Titus 3,1-2):
„Erinnere sie daran, dass sie sich den Obrigkeiten und Gewalten unterordnen, Gehorsam leisten, zu allem guten Werk bereit sind, niemanden verleumden, nicht streiten, freundlich sind und Sanftmut beweisen gegen alle Menschen.“
Paulus schreibt das nicht in einer Demokratie. Die Christen auf Kreta konnten ihre Obrigkeit nicht wählen. Trotzdem fordert Paulus sie auf, die staatliche Ordnung anzuerkennen und sich aktiv für das Gute einzusetzen.
Für uns kommt etwas hinzu: Wir können mitentscheiden, wem wir politische Verantwortung übertragen.
Damit ist Wählen mehr als die Frage: Wer vertritt meine Interessen am besten? Wir entscheiden mit darüber, wer Verantwortung für das gemeinsame Leben übernimmt – für unsere Orte, Städte und Landkreise.
Paulus nennt dafür keinen Wahlvorschlag. Aber er nennt eine Haltung.
„Zu allem guten Werk bereit.“
Christlicher Glaube zieht sich nicht aus der Gesellschaft zurück. Er fragt: Was dient dem gemeinsamen Leben? Was stärkt Frieden, Gerechtigkeit und ein gutes Miteinander?
„Niemanden verleumden, nicht streiten.“
Das bedeutet nicht, auf klare Positionen zu verzichten. Demokratie braucht Widerspruch. Aber Widerspruch braucht keine Verachtung. Ein Mensch verliert seine Würde nicht dadurch, dass er politisch anders denkt als ich.
Und schließlich: „Sanftmut gegen alle Menschen.“
Das griechische Wort meint keine Schwäche. Es beschreibt Stärke, die nicht aggressiv werden muss.
Vielleicht ist das eine gute Haltung für die kommenden Wochen: aufmerksam zuhören, kritisch prüfen, verantwortlich entscheiden – und auch im politischen Gegenüber zuerst den Menschen sehen.
Christlicher Glaube sagt uns nicht einfach, wen wir wählen sollen.
Aber er hat sehr viel dazu zu sagen, wie wir miteinander umgehen, während wir entscheiden. Und das gilt nicht nur für die Politik, sondern auch im privaten Alltag, am Arbeitsplatz sowie in unseren Kirchen und Gemeinden.
Diese Haltung täglich zu leben ist wahrscheinlich der wichtigste Beitrag, den Christen zu einer lebendigen Demokratie leisten können.
Pastor Ottmar Wander
Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten Uelzen